Dreifachturbo gegen Biturbo

Das BMW Diesel Duell

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Understatement pur: Der M 550d xDrive ist ein Wolf im 5er-Pelz. Eleganz: Der 640d ist schön wie eine Gazelle & stark wie ein Löwe.

BMW und Diesel? Noch vor 30 Jahren war das undenkbar. Der Diesel von damals schnorchelte und nagelte höchstens im Strich Achter von Mercedes, wer zum Überholen ansetzte, brauchte Geduld und Nerven gleichermaßen.

BMW und Diesel? Das war automobile Gotteslästerung, Ablass versprach nur das wiederholte Beten eines Rosenkranzes.

BMW hat den Diesel mit Dreifachturbo geadelt, aber auch der Biturbo macht Freude am Fahren.

Heute ist das mit dem Beten anders. Wer je das Vergnügen hatte, mit den neuen großen Diesel-Aggregaten von BMW zu spielen, die mittlerweile Spitzenmodelle wie das 6er Coupé oder – kleine Steigerung gefällig – sogar einen echten M antreiben, der frohlockt mit einem gut bayerischen „Halleluja“. Wir testen das Edel-Coupé 640d mit seinem Sechszylinder und den M 550d xDrive, der aus dem gleichen Aggregat schöpft, aber mit Triturbo-Technologie anbläst.

Diesel und Sport? Nee! Ferrari will nicht, beim AMG ziert man sich noch, aber Porsche lässt seinen stattlichen V8-Diesel schon seit Ende letzten Jahres im Cayenne (382 PS) einbauen. Und dann kommt plötzlich BMW um die Ecke, auch noch mit seiner Powerschmiede! BMW M 550d xDrive heißt das Geschöpf mit dem kraftvollen Herz (381 PS). Sein Drehmoment liegt bei 740 Nm und damit um 60 Nm über dem des Achtzylinder-Benzin-Motors des M 5 (560 PS).

Ein Motorraum voller Motor: Der dreifach aufgeladene Diesel von BMW hat 381 PS, bei Porsche setzt man ebenfalls auf Diesel, allerdings hat das Aggregat 382 PS. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt.

Was diesen Motor so besonders macht, ist die Dreifach-Turbo-Technologie, die sämtliche Leistungslöcher eines Diesels stopft. Und das funktioniert so: Schon knapp über der Leerlaufdrehzahl schaltet sich ein kleiner Lader zu, dann bläst ein größerer Niederdruck-Verdichter ab 1500 U/min. Das leistungstechnische Sahnehäubchen wird noch einmal 1000 Umdrehungen später aufgesetzt, wenn eine dritte Hochdruck-Turbine zusätzlich Luft in die Brennräume pumpt.

Soweit die Theorie, die sich ja schon mal gut anhört. Umso besser fühlt sich jedoch die Praxis an. Gut, besser, BMW M 550d xDrive! Immer hart am Wind, immer dicht an der Leistungsgrenze ­powert dieser Motor den vierradgetriebenen BMW unaufhörlich, fordernd und drängend nach vorne. So muss sich die Beschleunigung einer Rakete anfühlen, bevor sie die Treibstoffkammern abwirft. 4,7 Sekunden braucht der zwei Tonnen schwere Turbo-Fünfer von 0 auf 100, ein ordentlicher Wert auf dem Papier, der allerdings das grandiose Drehmoment-Gefühl eines Diesels nur unzulänglich widerspiegeln kann.

M ist das Tri-Turbo-Monster 

Diese Spitzentechnologie hat natürlich ihren Preis, nicht nur beim Verbrauch, der bei 11 Litern auf 100 Kilometer liegt. Rund 26.000 Euro ist der BMW 550d xDrive (Basispreis 81.300 Euro) teurer als ein BMW 535d xDrive (Basispreis 55.000 Euro), der mit dem Basistriebwerk ausgestattet ist und mit 5,5 Sekunden auch schon ordentlich beschleunigt. Und man muss auf Understatement stehen. Das viele Zusatz-Geld sieht man dem Auto nämlich nicht an. Im Gegensatz zu einem echten M ist das Tri-Turbo-Monster nur marginal aufgepimpt (Mini-Spoiler, modifizierte Schürze). Der große Auftritt bleibt dem M 5 vorbehalten.

So wie dem 6er Coupé, das als eines der elegantesten Autos, die BMW jemals gebaut hat, in die Konzerngeschichte eingehen dürfte. Freude am Sparen gibt es hier nicht (mit einigermaßen Ausstattung kostet der 6er schon mal 120.000 Euro), dafür Freude am Fahren satt. Als Spitzendiesel pocht hier der Twin-Turbo-Sechszylinder mit 313 PS und Verbrauchswerten zwischen acht und neun Liter (!!!). Gerade mal 0,8 Sekunden langsamer von 0 auf 100 und mit einem Drehmoment von 630 Nm ausgestattet, ist auch dieser Motor ein (übrigens auch Hör-) Genuss. Im Vergleich zum 550 xd fühlt sich der 6er durch den typischen Heckantrieb vielleicht sogar eher wie ein echter BMW an. Dennoch: Der kraftvolle Antritt von unten heraus trifft auf ein kurzes, zaghaftes Zaudern in den oberen Drehzahlen. Wäre ja auch komisch gewesen, wenn der Technologie-Vorsprung des Triturbos nicht spürbar wäre.

Fazit

Bei entsprechender Begeisterungsfähigkeit, so eine Stange Geld mehr auszugeben, kann es nur eine Entscheidung eben: Der dritte Turbo muss her!

RDF

BMW M550d xDrive: Ganz schön geladen!

BMW M: Diesel mit 381 PS Performance

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560 PS! Das ist der neue 6er von BMW

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