Zwei ungleiche Brüder

Chevrolet Trax vs. Opel Mokka

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Nicht nur von außen sehen sich die Brüder aus dem General-Motors-Konzern äußerst ähnlich. Unsere Autorin Dorita Plange Chevrolet Trax getestet.

Die drängende Frage, wer eigentlich solche Autos braucht, sei hiermit klar beantwortet: Ich! Niemals hatte ich eine bessere Übersicht. Nie habe ich mich sicherer gefühlt.

Nie bin ich bequemer über Hunderte Kilometer gereist und völlig entspannt am Ziel angekommen. Mein nächstes Auto wird – das ist jetzt klar – ein Kompakt-SUV. Aber welcher? Ich habe zwei infrage kommende Kandidaten getestet: Die beiden Brüder aus dem Hause GM – den Opel Mokka 1,4 Turbo und seinen amerikanischen Zwilling, den rund 2.000 Euro günstigeren, etwas schwereren und ebenfalls 140 PS starken Che­vrolet Trax. Beide laufen derzeit noch in Südkorea vom Band. Der Mokka jedoch wird nach dem angekündigten Rückzug von Chevrolet aus Europa ab Sommer 2014 in Saragossa/Spanien gebaut.

Der erste Eindruck

Der Opel Mokka (Foto) wirkt allerdings leichter und eleganter. Auch in Sachen Verarbeitung schlägt der Rüsselsheimer den Chevrolet Trax um einiges, meint unsere Autorin Dorita Plange.

Kompakt mit breitem Kreuz und kurzer Nase – damit entsprechen die beiden genau meinem Beuteschema. Der Mokka wirkt etwas eleganter als der bullige Ami-Zwilling mit der steilen Schnauze. Im Innenraum setzt sich dieser Eindruck fort: Der Mokka präsentiert sich weich und sorgfältig verkleidet – auch an Stellen, an die man selten hinfasst. Der Chevy dagegen zeigt sich ungeniert in jeder Menge Hartplastik. Einfach der Einstieg in beiden, viel Platz rundherum, viele Ablagen und sehr bequeme, verstellbare Sitze mit guter Beinfreiheit auch für die Passagiere im Fond. Die Kofferräume sind bei beiden keine Raumwunder, verfügen aber über einen praktischen doppelten Boden. Im Mokka-Heck verbirgt sich zudem ein Flex-Fix-Fahrradständer – so leicht zu bedienen wie eine Schrankschublade.

Armaturen

Den Wettbewerb „Wer bringt die meisten Knöpfe, Hebelchen und Schalter unter?“ gewinnt ganz klar der Opel. Die gesamte Mittelkonsole – eiskalt zugepflastert! Nach knapp einstündigem Studium der (gut verständlichen) Gebrauchsanleitung und dem sofortigen Abbau der sichtbehindernden Kopfstützen im Fonds traue ich mich dann vom Hof, rolle ungewohnt entspannt im Berufsverkehr mit. Dagegen wirkt das Chevy-Cockpit mit seiner aufgeräumten Mittelkonsole sehr übersichtlich. Ein einfacher, blau leuchtender Digitaltacho mit Riesenziffern tut’s auch. Mir gefällt trotzdem die elegante, rot beleuchtete Opel-Doppel-Armatur mit integriertem Driver-Information-Center besser. Aber das ist nun wirklich Geschmackssache.

Die Ausstattung

Chevrolet Trax

Da punktet der Mokka in der Vollausstattung mit jeder Menge Technik, die (nicht nur) Frauenherzen jubeln lässt. Bergan- und Bergabfahrhilfe, die Frontkamera liest Verkehrsschilder, hilft wie ein Gentleman auch vorne beim Parken, wärmt mit der Lenkradheizung kalte Hände und erkennt mit Spurassistent und dreifach einstellbarem Front-Kollisions-Warner klassische Unfallgefahren, noch bevor es knallt. Beide Crossover verfügen über einen Parkpiloten mit ausgezeichneter Rückfahrkamera, ein Start-Stopp-System, über eine 230-Volt-Steckdose und eine bequeme Fahrer-Armlehne. Der Chevy hat ebenfalls Bergan- und Bergabfahrassistenten, Klimaanlage, Parkpiepser und die Sitzheizung. Zusätzliche Optionen wie Klima-Automatik, Xenonscheinwerfer, Ledersitze, Kollisionswarner oder ein integriertes Navi gibt es (leider) für ihn nicht.

Die Beleuchtung

Opel Mokka

Guter Standard im Chevrolet, der übrigens auch im nächtlichen Allgäuer Schneesturm auf kurvigen Straßen wie ein Brett liegt und damit Sicherheit vermittelt. In der Nacht jedoch zeigt der Mokka eine große Stärke: Bi-Xenon-Fahrlicht mit neun (!) automatischen und preisgekrönten Lichtfunktionen. Das schaltet unter anderem sogar automatisch von Fern- auf Abblendlicht, passt sich Tempo-, Straßen-, Licht- und Wetterverhältnissen an. Ein dickes Plus in puncto Sicherheit.

Navigation und Infotainment

In beiden Fahrzeugen ließ sich das iPhone problemlos über Bluetooth mit dem Bordcomputer verbinden. Das integrierte Navigationssystem im Opel legt sofort los, beinhaltet Tag-und Nacht-Grafik, gute Zielführung und zeitnah eingeblendete TMC-Warnungen (z.B. Geisterfahrer, Sperrungen etc.). Ratlosigkeit dagegen im Chevrolet, der zwar über ein gestochen scharfes (Touchscreen)Display für eine sehr übersichtliche Telefon- und Musikverwaltung verfügt. Nur: Wo bitte ist hier das Navi? Ohne Smartphone geht da nämlich nichts– und spontan schon gleich gar nicht. Dafür muss man am heimischen WLAN nämlich erst mal die umfangreiche Navigations-App „Bringgo“ herunterladen (89 Cent für 30 Tage Probe, danach einmalig 49,99 Euro). Einmal über den (im Beifahrerfach seltsam versteckten USB-Port) verbunden, läuft Bringgo gut – wenn man die verspielte Disneyworld-Grafik mag. Sicherlich eine preiswerte Lösung. Unterm Strich jedoch bleibt’s ein nerviges Gefummel. Ganz ehrlich: Am Ende habe ich mein altes TomTom wieder an die Scheibe geklebt.

Mein Fazit

Amerikaner und Europäer scheinen unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich Ausstattung und Komfort zu haben. Wer mit den kleinen Abstrichen leben kann, bekommt mit dem Chevrolet Trax einen sehr preisgünstigen, ausreichend ausgestatteten und geräumigen Begleiter für die ganze Familie, mit dem man zwar keine Geschwindigkeitsrekorde brechen wird, dafür aber bequem und sicher ans Ziel kommt. Das gilt auch für den Opel Mokka – alles andere als Blümchen-Kaffee, sondern vielmehr eine ausgewogene Rüsselsheimer Röstung mit vielen eleganten Zutaten, deren Liebhaber-Schar stetig wächst.

Dorita Plange

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