Kampf in der Parklücke: Autobauer konkurrieren um Carsharing

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Immer mehr Verkehrsteilnehmer in Deutschland teilen sich das Auto. Laut dem Bundesverband Carsharing nutzten im vergangenen Jahr 1,04 Millionen Menschen entsprechende Angebote. Foto: Fredrik von Erichsen

Sie sind eine Alternative zum Bus und rollende Werbung für Autobauer: Angebote für Carsharing gibt es hierzulande inzwischen viele. Einer der Vorreiter ist Daimler mit Car2Go - doch auch andere Hersteller wollen ein Stück vom Kuchen.

Stuttgart (dpa) - Wenn nachts die letzte Bahn weg ist, kommen sie zum Einsatz. Oder wenn die Einkäufe doch zu schwer sind. Die Rede ist von Carsharing-Angeboten - Mietautos, mit denen Menschen auch ohne eigenen Wagen spontan von A nach B kommen.

Unter den Autobauern gilt Daimler mit seinem Angebot Car2Go als Pionier des Autoteilens - doch inzwischen drängt immer mehr Konkurrenz in diese Parklücke. Der Bundesverband Carsharing kam zuletzt auf 150 deutsche Anbieter - dazu gehören allerdings auch ehrenamtliche Angebote in kleinen Städten. Doch auch immer mehr große Autobauer eifern Daimler nach: Zuletzt startete etwa Opel eine Kooperation mit dem Anbieter Spotcarund schickte sein Modell Adam auf Berlins Straßen. Anders als bei Daimlers Car2Go oder auch DriveNow von BMW zahlen Kunden bei Spotcar nicht pro Minute, sondern pro Kilometer.

Fachleute räumen dem gute Chancen ein, da das Geschäftsmodell einen entscheidenden Vorteil habe: "Die Wahrnehmung der Kunden ist ganz klar: Ich zahle das, was ich verfahre", sagt Sven Henkel, Direktor vom Automotive Institute for Management (AIM). Niedrige Preise, einfache Nutzung und spontane Verfügbarkeit sind dem Fachmann zufolge die wichtigsten Voraussetzungen. "Kann ein Anbieter diese Kriterien nicht erfüllen, wird er keinen Erfolg im Markt haben."

Opel will sich nach Angaben eines Sprechers demnächst an einem eigenen Carsharing-Konzept versuchen und dazu im Laufe des Jahres Details bekanntgeben. Medienberichten zufolge soll es sich dabei um ein Angebot für Opel-Besitzer handeln, die Fahrzeuge untereinander tauschen können.

"Daimler hat einen guten Vorsprung aufgebaut. Da müssen die anderen erstmal hinkommen", sagte Gerd Heinemann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft BBE Automotive, die eine Studie zum Carsharing erstellt hat. "Bis auf BMW mit DriveNow sind alle anderen ja ganz weit weg." Zuletzt waren knapp 400 000 Kunden bei DriveNow registriert. Car2Go kommt bereits auf eine Million Kunden weltweit.

Platz genug für alle Anbieter gibt es kaum: In Großstädten dürften sich nach Einschätzung von Experten etwa drei bis vier große halten. Kleinere Betreiber hätten vor allem in ländlichen Gebieten Chancen, wo die anderen nicht vertreten seien. "Da das Ganze mit viel Kapital belegt ist, um es anzukurbeln, werden aber vor allem die Großen bleiben", sagte Heinemann.

Auch die Hersteller Volkswagen und Ford haben Angebote fürs geteilte Auto. VW hat anders als Daimler mit Quicar aber ein stationsabhängiges Konzept, das auf Hannover begrenzt ist. Fordbringt seine Fahrzeuge zusammen mit Flinkster, dem Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn, auf die Straße.

Auch Daimler hat eine Kooperation mit Flinkster angekündigt. Car2Go-Kunden können dann ohne gesonderte Anmeldung die Autos von Flinkster und die Mieträder der Bahn buchen. Umgekehrt können Flinkster-Kunden Car2Go nutzen. Demnach soll damit bundesweit ein Netz mit mehr als 6600 Fahrzeugen entstehen.

Carsharing-Experte Heinemann hält Zusammenschlüsse in dem Bereich für wichtig: "Die Vernetzung ist wesentlicher Bestandteil für den Erfolg des Carsharings." Autoteil-Kooperationen zwischen den Autobauern selbst - etwa zwischen den Platzhirschen Daimler und BMW - erwartet man beim Bundesverband Carsharing aber nicht.

"Wir sehen, dass es langsam Konsolidierungsprozesse gibt - also dass sich Anbieter zusammenschließen", sagte Geschäftsführer Willi Loose. Daimler und BMW hingegen wollten durch ihr Angebot vor allem die eigene Marke hochhalten. "Die haben kein Interesse daran, dass ihre Kunden die Autos der Konkurrenz fahren."

Aber muss man als Autobauer seine Fahrzeuge unbedingt zum Teilen auf die Straße stellen? "Es ist eine interessante Form des Marketings. Wenn man Marktführer ist, ist es sicher auch ein Businessmodell", glaubt Heinemann. "Man kann aber auch ohne leben."

Spotcar

Car2Go

DriveNow

Quicar

Ford Carsharing

Carsharing-Anbieter finden in Deutschland immer mehr Nutzer. Die Zahl stieg im vergangenen Jahr um gut ein Drittel auf 1,04 Millionen, wie der Bundesverband Carsharing mitteilte. Den Wagen mit anderen zu teilen - diesem Gedanken verhelfen demnach vor allem die stationsunabhängigen Angebote der Autobauer in Großstädten zum Durchbruch. Bei ihnen sind zwei Drittel der Nutzer angemeldet. In kleineren Städten verbreiten sich dagegen weiter die klassischen Anbieter mit festen Abhol- und Abgabeorten für die Autos.

Inzwischen gibt es Carsharing in 490 deutschen Städten und Gemeinden, das sind 110 mehr als ein Jahr zuvor. Der Bundesverband nannte die Entwicklung erfreulich, es gebe aber noch Potenzial. Die Nutzerzahl sei im vergangenen Jahr nicht mehr so stark gestiegen wie im Vorjahr, als der Zuwachs noch bei zwei Dritteln gelegen hatte. Dass die Marke von einer Million Nutzern erstmals überschritten wurde, hängt auch damit zusammen, dass Fahrer, die bei mehreren Anbietern angemeldet sind, entsprechend häufig gezählt werden.

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