Bad Reichenhallerin in Pakistan

78-jährige Ärztin hilft Flutopfern

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Elisabeth Klett, Kinderärztin aus Bad Reichenhall, probiert ihre Kopfbedeckung für Pakistan aus. Die 78-jährige Ärztin will den Flutopfern im Katastrophengebiet helfen.

Bad Reichenhall - Mit 78 sind die allermeisten Menschen längst im Ruhestand. Elisabeth Klett befindet sich eher im Unruhestand: Mit 78 Jahren startet die Ärztin jetzt zu einem Hilfseinsatz nach Pakistan.

Die Reisestrapazen nimmt Elisabeth Klett gern auf sich. Am Samstag flog die 78-jährige Kinderärztin aus Bad Reichenhall von Frankfurt aus in das von der Flutkatastrophe mit über tausend Toten gebeutelte Pakistan. „Ich wollte nicht nichts tun“, begründet sie ihre Motivation, im Ruhestand noch derartige Herausforderungen auf sich zu nehmen.

Vielleicht komme auch Abenteuerlust hinzu, fügt sie verschmitzt an. Kletts Reisebegleiterin, Medizinerin Tara Kamruddin, ist mit 74 kaum jünger. Beide begeben sich für die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) sowie „Ärzte für die dritte Welt“ in das Krisengebiet. Dass es eigentlich für solche Einsätze eine Altershöchstgrenze von 74 gibt, spiele dabei keine Rolle, sagt DAHW-Geschäftsführer Burkhard Kömm. Er verweist auf „die Mutter der Leprakranken“, Dr. Ruth Pfau, die am Donnerstag ihren 81. Geburtstag feierte und seit Jahrzehnten vor Ort Hilfe leistet.

„Wenn das jemand kann, der 81 ist, kann es auch jemand, der über 74 ist.“ Zusammen mit Pfau und der aus dem Hersbruck stammenden Ärztin Christina Schmotzer sollen die beiden Frauen in Karachi und Umgebung sechs Wochen lang Flüchtlinge medizinisch versorgen. Hauptprobleme dort sind nach seinen Angaben Durchfallerkrankungen, die Seuchengefahr und Unternährung. Pfau freut sich auf die Unterstützung aus der Heimat: „Eine Kinderärztin und eine Gynäkologin werden hier dringend gebraucht“. Eine Aufgabe, in der Elisabeth Klett mehr als erprobt ist.

Elisabeth Klett mit Harald Kischlat von „Ärzte für die Dritte Welt“.

Nach ihrem Ruhestand flog sie 2001 auf Anfrage von „Ärzte für die Dritte Welt“ erstmals auf die Philippinen. Es folgten Einsätze in Indien, Bangladesch, Kenia und Nicaragua – teilweise in Eigeninitiative. 2008 war sie in Pakistan in einem Krankenhaus stationiert gewesen. Dass die Hilfsorganisation speziell Ärztinnen anforderte, hat religiöse Gründe.

Denn Frauen und Mädchen dürfen laut Islam nur von Frauen behandelt werden. Für DAHW-Geschäftsführer Kömm kommt das hohe Alter den Medizinerinnen entgegen: „In der muslimischen Gesellschaft zählt das als sehr positiv.“ Er war selbst eben erst in Pakistan und verhehlt keineswegs die Risiken eines solchen Hilfseinsatzes: „Die Gefahr ist natürlich da.“ Man sei bemüht, alles zu vermeiden, was die Gefühle der Bevölkerung verletzen könnte. Bei ihren Freunden erntet Frau Klett Verwunderung ob ihres Einsatzes.

„Allmählich sind sie so weit, dass sie sich gar nichts mehr zu sagen trauen.“ Ihre Hilfsbereitschaft daheim ausleben, kommt für sie nicht in Frage: „Dafür bin ich noch zu jung.“

Von Ralph Bauer

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