Angeklagte im "Jessica"-Prozess bestreitet Mordvorwurf

+
Die wegen Mordes angeklagte Denise R. sitzt zu Prozessbeginn im Sitzungssaal des Landgerichts Nürnberg-Fürth auf der Anklagebank. Der 28 Jahre alten Frau wird vorgeworfen, ihre Freundin Jessica vor zwei Jahren in deren Wohnung erstochen zu haben, um einen Scheckkartenbetrug zu vertuschen. Das Opfer  40 Schnitt- und Stichverletzungen erlitten.

Nürnberg - Im Fall "Jessica" hat der Prozess begonnen. Die Angeklagte soll ihre Freundin Jessica ermordet haben, um einen Betrug zu vertuschen. Im Prozess erzählt die 28-Jährige ihre Version der Ereignisse. 

Der gewaltsame Tod einer jungen Mutter in Erlangen sorgte vor zwei Jahren für Aufsehen, der Prozess im Mordfall “Jessica“ wird nun zum aufwendigen Indizienverfahren. Denn die Angeklagte wehrt sich gegen den Vorwurf, ihre Bekannte erstochen zu haben.

Selbstbewusst und souverän will die Angeklagte wirken. Sie versteckt sich nicht vor den Kameras, die auf sie gerichtet sind, Freunden und Angehörigen auf den Zuschauerplätzen winkt sie zu, als der Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth im Mordfall “Jessica“ beginnt.

Die Bluttat geschah vor zwei Jahren

Die Bluttat an einer jungen Mutter in Erlangen vor rund zwei Jahren hatte für großes Aufsehen gesorgt. Wegen Mordes angeklagt ist nun eine 28 Jahre alte Frau, die mit dem Opfer befreundet war. Nach umfangreichen Ermittlungen war sie vier Monate nach der Tat festgenommen worden. Doch vor Gericht gesteht sie den Mord nicht. Es wird deshalb ein aufwendiger Indizienprozess werden, bei dem das Urteil wegen zweier Verhandlungspausen erst Ende September erwartet wird.

Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, die 28-Jährige habe Jessica mit insgesamt 40 Schnitt- und Stichwunden getötet, um einen EC-Kartenbetrug zu vertuschen.

Die beiden Frauen kannten sich aus gemeinsamen Schultagen, Jessicas Witwer kennt die Angeklagte sogar “von Kindesbeinen an“, wie sie sagt. Ihre Eltern haben im gleichen Erlanger Häuserblock wie Jessica und deren Familie gelebt.

Die Angeklagte erzählt ihre Version

Die 28-Jährige - sie trägt zum Prozess-Auftakt ein sommerliches Outfit mit türkisfarbenen T-Shirt und weißer Hose - will das ihr von der Staatsanwaltschaft unterstellte Motiv entkräften. Dass sie in den Besitz der EC-Karte von Jessicas Mann kam - ein dummer Zufall, behauptet sie. Ein Bekannter habe die Karte in einem Zigarettenautomaten gefunden. Sie wollte die Karte eigentlich zurückgeben, doch habe sie dann doch ein paar Einkäufe damit getätigt. Als sie das ihrem Jugendfreund beichten wollte, sei dieser zwar stinksauer gewesen, doch dann habe er ihr die Beteiligung an einem Drogengeschäft angeboten: Sie sollte sich als seine Frau ausgeben und Geld vom Konto abheben. Damit wollte er dann Kokain kaufen, sie selbst hätte Amphetamine erwerben und weiterverkaufen sollen. “Er hat doch schon immer vom großen Deal geträumt“, sagt die Tatverdächtige vor Gericht.

Der Mann des Opfers - er war nach der Tat zunächst ins Visier der Ermittler geraten - bestreitet dies. Fragen, ob er mit Rauschgift handele, lässt er jedoch unbeantwortet. Als er Abbuchungen von seinem Konto bemerkt habe, habe er die Angeklagte verdächtigt, da er sie mit vollbepackten Einkaufstüten gesehen habe - obwohl sie Tage zuvor noch über finanzielle Sorgen geklagt hätte. Motive für eine Beziehungstat verneint er vor Gericht. Er habe seine Frau nie geschlagen, die Ehe sei “ganz normal“ verlaufen - obwohl er zwei Seitensprünge einräumte.

65 Zeugen und neun Sachverständige

Starb Jessica, weil sie dem Betrug ihrer Freundin auf die Spur kam? Oder kommt ein anderer Täter infrage? 65 Zeugen und neun Sachverständige müssen in den kommenden Verhandlungstagen bei der Klärung helfen. DNA-Spuren der Angeklagten in Jessicas Wohnung könnten auch bei früheren Besuchen dorthin gelangt sein, noch am Mittag des Tattages soll die Angeklagte Jessica kurz besucht haben. Außerdem war die Angeklagte auch in der Wohnung, als Nachbarn versuchten, die in ihrer Küche erstochen aufgefundene Jessica wiederzubeleben.

Für seine Urteilsfindung muss das Gericht auch klären, ob die Angeklagte wirklich die selbstbewusste, gefestigte Persönlichkeit ist, die sie vorgibt. In der Wohnung, in der sie mit ihren drei Kindern und ihrem Verlobten lebt, wurden Briefe gefunden, in denen sie früher Suizidabsichten formuliert hatte. Außerdem kam vor Gericht ans Licht, dass sie sich bei einer Auseinandersetzung mit ihrem Partner selbst Stichwunden am Bauch zugefügt zu haben.

Kathrin Zeilmann/lby

Meistgelesene Artikel

Über 1000 Jogginghosen-Träger kriegen gratis Sekt

Schwabach - Ein Supermarkt in Schwabach hat sein Versprechen wahr gemacht: Jeder Kunde in Jogginghosen hat am Donnerstag ein Fläschchen Sekt bekommen …
Über 1000 Jogginghosen-Träger kriegen gratis Sekt

Mann (56) erfasst Bub beim Einparken

Illertissen - Mit schweren Verletzungen wurde ein zehn Jahre alter Bub in eine Klinik gebracht. Ein 56-Jähriger hatte ihn auf einem Gehweg angefahren.
Mann (56) erfasst Bub beim Einparken

Kreditkartenbetrug: Drei Festnahmen in München und Eching

München - Zugfahrkarten im Wert von 30 000 Euro sollen drei Männer in München und Eching gekauft haben - mit geklauten Kreditkartendaten.
Kreditkartenbetrug: Drei Festnahmen in München und Eching

Kommentare