Mutter erstickt eigenes Baby: Mord oder Totschlag?

Weiden - Mord oder Totschlag? Diese Frage muss ein Gericht in Weiden beantworten: Eine 25-jährige Muttter hatte ihr acht Monate altes Kind erstickt. Für die Staatsanwaltschaft ist die Sache klar:

Für den Mord an ihrem acht Monate alten Sohn soll eine 25-jährige Frau lebenslang ins Gefängnis. Diese Strafe forderte Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl am Mittwoch in dem Prozess vor dem Landgericht Weiden. Verteidiger Tobias Konze bewertete die Tat hingegen als Totschlag. Er verlangte eine Haftstrafe von nicht mehr als zehn Jahren. Die Strafkammer will das Urteil an diesem Donnerstag verkünden.

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Baby erstickt - Mutter wegen Mordes vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Mutter sich die Tötung des kleinen Gero lange überlegt hat und sich dann spontan dazu entschloss, als der sonst recht ruhige Bub wegen der Zahnbildung wieder einmal schrie. Die Mutter sei “generell gegen Kinder“ gewesen und habe ihr Baby daher von Anfang an abgelehnt, sagte Heindl. “Sie entwickelte keine positiven Gefühle, sie entwickelte Hass gegen das Kind.“

Schließlich habe sie den Säugling mit einem Pullover erstickt. Zudem habe sie Nase und Kehle des Kindes zugehalten. Heindl warf der Frau ein “verachtenswertes“ Verhalten vor. Denn der Sohn habe ja nichts dafür gekonnt, dass er auf der Welt war. Als Motiv vermuteten die Ermittler, dass die auf ihr Aussehen sehr bedachte Frau dem ungewollten Kind vorgeworfen hat, ihren makellosen Körper zerstört zu haben. Nach der Kaiserschnitt-Geburt blieb eine große Narbe zurück.

Im Unterschied zum Staatsanwalt sah der Verteidiger nicht das Mordmerkmal der niederen Beweggründe als erfüllt an. Das ursprünglich in der Anklage enthaltene weitere Mordmerkmal der Grausamkeit hatte der Oberstaatsanwalt selbst bereits fallengelassen. Rechtsanwalt Konze räumte zwar ein: “Natürlich hat sie die Schwangerschaft als Katastrophe angesehen, natürlich hat sie sich nicht über das Kind gefreut.“ Eine monatelang geplante Tat sah er allerdings nicht.

In dem Prozess hatte die 25-Jährige durchgängig geschwiegen, nachdem sie bereits bei der Kripo ein Geständnis abgelegt hatte. Unmittelbar vor den Plädoyers hatte der psychiatrische Sachverständige dem Gericht dargelegt, dass die Frau zwar erhebliche Auffälligkeiten habe, eine Persönlichkeitsstörung, die zu einer verminderten Schuldfähigkeit führen könnte, gebe es aber nicht. Dem Gutachter gegenüber hatte die Frau vor dem Prozess eine abgrundtiefe Verachtung von Kindern zum Ausdruck gebracht. So habe sie über den ersten Anblick ihres Sohnes Gero nach der Geburt gesagt: Dies sei der “größte Schock in ihrem Leben“ gewesen, das Neugeborene habe “absolut ekelhaft“ ausgeschaut.

Der Experte schloss aber nicht aus, dass die Frau bei dem von ihr selbst geschilderten Hass auf Kinder letztlich auch übertrieben hat. Bei der Darstellung ihrer Person anderen gegenüber gebe sie möglicherweise nicht wieder, wie sie sich tatsächlich selbst sieht. Sie habe Anteile einer “Als-ob-Persönlichkeit“, wie der Psychiater dies im Fachjargon nannte.

dpa

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