"Aufnahme- und Rückführungszentrum" fast fertig

Balkanzentrum: Der neue Abschiebe-Turbo für Flüchtlinge

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Ein Gebäude des neuen "Aufnahme- und Rückführungszentrum" in Manching.

Manching - Im "Aufnahme- und Rückführungszentrum" soll es mit der Abschiebung von Balkan-Flüchtlingen ganz fix gehen - damit setzt Bayern aufs Prinzip Abschreckung.

Am 1. September soll es soweit sein: Am Ortsrand von Manching soll in einer schäbigen ehemaligen Bundeswehr-Kaserne das erste "Aufnahme- und Rückführungszentrum" für Balkanflüchtlinge in Betrieb gehen. Deren ausdrücklicher Zweck: Asylbewerber aus Albanien und anderen südosteuropäischen Ländern so schnell wie möglich wieder heimschicken.

Zur Zeit schuften die Bauarbeiter noch in dem großen Gebäudekomplex. Umgebaut wird aber hauptsächlich für die Beamten, nicht für die Asylbewerber. Denn Flüchtlinge sind auch bisher schon dort untergebracht, in einer ganz normalen Gemeinschaftsunterkunft. "Die Bewohner werden sukzessive ausgetauscht", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einem Ortstermin.

Bayern setzt auf das Prinzip Abschreckung: Innenminister Herrmann auf Ortstermin.

In der Kaserne residieren die Asylbewerber in sechs heruntergekommenen Bundeswehr-Gebäuden aus den 50er und 60er Jahren. Das Gras zwischen den Häusern ist verdorrt, ein Bauzaun umgibt das Gelände. Herrmann spricht von "Balkanzentrum", doch an ein Zentrum erinnert nichts. Genutzt wird etwa ein Drittel des Geländes, ansonsten ist die Kaserne eine verlassene Geisterstadt.

Kiesgruben als Badeseen

Schilder warnen vor Schusswaffengebrauch, obwohl kein Soldat mehr dort Dienst schiebt. Abkühlung in der Sommerhitze bieten mehrere als Badeseen genutzte Kiesgruben auf der anderen Straßenseite. Anfang August ist dort ein 22 Jahre alter Flüchtling ertrunken, nun warnen Schilder auch vor den Gefahren für Nichtschwimmer.

Auf diesen Fluren soll es mit der Abschiebung fix gehen: 200 Beamte werden in der Einrichtung ihren Dienst verrichten.

Auch mehrere andere Bundesländer wollen Balkan-Asylbewerber schnell loswerden, doch nur die bayerische Staatsregierung hat ihre zwei geplanten "Balkanzentren" so offensiv angekündigt und damit großen medialen Rummel ausgelöst. Die Balkan-Flüchtlinge würden "nicht schlechter untergebracht als andere Asylbewerber", betont Innenminister Herrmann.

Asylverfahren innerhalb weniger Wochen

200 Beamte sollen die schnelle Abschiebung garantieren - Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Bundespolizei, medizinisches Personal, Richter. Ziel ist es, die Asylverfahren innerhalb von vier bis sechs Wochen zu beenden.

Sämtliche Verwaltungsvorgänge von der Ersterfassung bis zur Zustellung des abgelehnten Asylantrags sollen an Ort und Stelle stattfinden. Bisher werden Asylbewerber aus dem Balkan über ganz Bayern verteilt, bei anstehenden Abschiebungen fährt die Polizei quer durchs Land, um die abgelehnten Asylbewerber zum Münchner Flughafen zu bringen.

Abschreckung ist der eigentliche Zweck

Die beabsichtigte Wirkung der Manchinger Unterkunft: die Abschreckung neuer Asylbewerber aus dem Westbalkan bereits in den Heimatländern. „Der Gedanke dahinter ist, dass sich in den Ländern, die überhaupt keine Bleibeperspektive haben, ein Bewusstsein breit macht, dass es überhaupt keinen Sinn hat, nach Deutschland zu kommen“, sagt Innenminister Herrmann. „Das ist der eigentliche Zweck.“

dpa

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