25.000 Euro für Bayerns Maibaum in Brüssel

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Hebauf in Brüssel: Emilia Müller (M.) mit einem Teil der Delegation.

München/Langdorf - Eine flotte Sause nach Brüssel kommt den Steuerzahler teuer zu stehen. Die dortige bayerische Vertretung ließ sich die Aufstellung eines Maibaums 25 000 Euro kosten. Bayerns EU-Maibaum – das teuerste Traditionsstangerl der Welt.

War das eine Gaudi: 50 Mann hoch brach eine große Delegation aus der Bayerwald-Gemeinde Langdorf Ende April zu einer 814 Kilometer langen Reise nach Brüssel auf. Ziel: die mächtige schlossartige Vertretung Bayerns („Schloss Neu-Wahnstein“). Die Langdorfer im Doppeldecker-Bus, hinterdrein ein Lkw mit einem 18 Meter langen Maibaum. Klar, dass das Fahrzeug der Brauerei Falter aus Regen mit 1400 Litern Bier an Bord nicht fehlen durfte. „Muss man erwähnen“, schrieb die Lokalzeitung hinterher, „dass das Falter-Auto nur mit Leergut wieder in Regen ankam?“

Die Feier zur Maibaum-Aufstellung war jedenfalls recht lustig: Rund 400 Gäste ließen es sich schmecken – Blasmusik, Kost und (für die Langdorfer) Logis, alles bezahlt von der Vertretung. Nur das Freibier war von der Brauerei gesponsert. So wichtig war der Termin, dass es sich auch der Regierungspräsident von Niederbayern nicht nehmen ließ, zur Feier per Dienstwagen anzureisen.

Die fröhliche Hebauf-Feier hat eine Vorgeschichte. Einige Langdorfer hatten im Herbst 2009 eher zufällig den damaligen Maibaum in Brüssel entdeckt. 14 Meter war die einst vom Chiemsee mit großem Pomp nach Brüssel transportierte Kümmer-Stange gerade einmal lang. Das können wir besser, sagten sich die Langdorfer. Und beschwatzten die bayerische Europaministerin Emilia Müller, bis die der Maibaum-Gaudi zustimmte. Dann schrieb die bayerische Spitzenbeamtin Heidrun Piwernetz, damals noch Leiterin der Bayerischen Vertretung in Brüssel, einen Brief an den Langdorfer Bürgermeister Otto Probst und sagte zu, dass Kosten wie Bus, Übernachtung und Catering vom Freistaat übernommen würden – und zwar innerhalb eines Rahmens von 25 000 Euro. Dies bestätigt die Pressestelle der Staatskanzlei auf Anfrage. Noch fehlt in der Regierungszentrale eine genaue Kostenaufstellung. „Die Abrechnung macht gerade mein Fremdenverkehrsleiter“, sagt Bürgermeister Otto Probst. „Wer das bezahlt, ist mir eigentlich wurscht.“ Er lässt aber keinen Zweifel daran, „dass die 25 000 Euro sicher ausgeschöpft werden“ – bei der Riesendelegation, die er aufgeboten habe, sei das ja auch kein Wunder. Immerhin schießt die Bayerische Lotterieverwaltung einen kleinen Betrag (2000 bis 2500 Euro) zu – Präsident Erwin Horak legt Wert auf die Feststellung, dass es dafür Werbemaßnahmen gab und er die Teilnahme am Maibaumfest mit einem anderen geschäftlichen Termin in Brüssel verbunden habe.

Übrigens taugte das Brüsseler „Event“ nach Meinung von Kritikern wie Sepp Obermeier vom Förderverein Bairische Sprache und Dialekte allenfalls als „Realsatire“. Schließlich hatten die Langdorfer eigens für das Fest den seltsamen Brauch des „Glasrosenkraxeln“ ersonnen – um zu verdeutlichen, dass die Glaskunst im Bayerischen Wald eine lange Tradition hat, wurden Rosen aus Glas an den Baum angehängt und dann von Burschen heruntergeholt. Die Spitze des Maibaums wurde mit einer großen Glaskugel gekrönt. „Das ist ja so was von kitschig“, lästert Obermeier, der dann noch spitz darauf hinweist, dass auch andere Traditionsvereine 25 000 Euro oder wenigstens einen Teilbetrag gut gebrauchen könnten.

Außerdem: Der Maibaum stand einst in der Ortsmitte von Langdorf und wurde für Brüssel einige Meter per Motorsäge gekürzt – Bayerns EU-Baum ist nur ein Recycling-Stangerl ...

Dirk Walter

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