Gerichte sind sich uneinig

Schmerzensgeld für 15-Jährigen?

München - Ein 15-jähriger Schüler kann auf Schmerzensgeld für seine Verletzungen bei einem Bootsunfall vor vier Jahren hoffen. Für diese Entscheidung geraten zwei Gerichte aneinander.

Das Oberlandesgericht München hat am Mittwoch klar gemacht, dass es die Klageabweisung in erster Instanz durch das Landgericht Traunstein für falsch hält - der 15-jährige Bub, der bei einem Bootsunfall verletzt worden war, soll auf Schmerzensgeld hoffen.

Der Bub hatte im Sommer 2009 an einer Schlauchbootfahrt mit Motor auf der Saalach unter der Regie des Technischen Hilfswerks Berchtesgadener Land teilgenommen. Während sich die beiden anderen Kinder an Bord bei einer Linkskehre ins Bootsinnere zurückzogen, blieb der Elfjährige auf dem Schlauch oben sitzen, fiel über Bord und wurde von der Schiffsschraube am Kopf getroffen. Dabei erlitt er einen Schädelbruch. Bis heute leide er mehrmals pro Woche an heftigen Kopfschmerzen, sagte sein Vater.

Kläger-Anwalt Reinhard Hauff wirft dem Bootsführer Verletzung seiner Fürsorgepflicht vor. Er will für den Jungen 12 000 Euro Schmerzensgeld und Anerkennung etwaiger Folgeschäden. Das Landgericht hatte die Klage abgewiesen, gestützt auf ein Gutachten: Die Kinder hätten Schwimmwesten getragen, der Bootsführer habe sie wiederholt darauf hingewiesen, wie sie sich zu verhalten hätten.

„Wir teilen die Meinung des Landgerichts nicht“, betonte am Mittwoch der OLG-Senatsvorsitzende Wilhelm Schneider. Der Bootsführer habe nicht darauf bestanden, dass alle Kinder sich bei dem Wendemanöver ins Bootsinnere setzten. Die Aufforderung, sich gut festzuhalten, genüge nicht: „Es sind Kinder!“ Schneiders Vorschlag, sich auf eine Zahlung von 5000 bis 10 000 Euro zu einigen, stieß bei beiden Parteien aber nicht auf Gegenliebe. Der Senat wird am 26. Juni entscheiden.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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