Immer mehr Bulgaren und Rumänen

"Armutszuwanderung": Auch Bayern betroffen

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Bettler in der Münchner Bayerstraße.

München - Immer mehr Bulgaren und Rumänen suchen in deutschen Großstädten eine neue Zukunft. Politiker sprechen von „Armutswanderung“ - auch Bayern ist inzwischen davon betroffen.

„Das Phänomen ist vor allem in bayerischen Großstädten wie München und Nürnberg spürbar“, sagte der Städtetagspräsident und Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) der Nachrichtenagentur dpa. „Allerdings ist das in Bayern deutlich schwächer ausgeprägt als in anderen Teilen der Republik“, machte Maly deutlich. „Bei uns gibt es das noch in statistisch engen Grenzen.“

In weit größerem Ausmaße seien Städte wie Berlin, Hamburg, Duisburg und Dortmund betroffen, berichtet Maly. Dort habe die Zuwanderung von Rumänen und Bulgaren inzwischen ein Ausmaß angenommen, das die Städte vor große Herausforderungen stelle. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der am stärksten betroffenen Städte habe daher bereits Ende Januar Lösungen auf Bundes- und EU-Ebene gefordert. „Wir beginnen uns gerade damit auseinanderzusetzen“, sagte Maly mit Blick Bayern.

Ein besonderes Problem für die Städte stellen nach Malys Worten die Roma dar. „Unsere herkömmlichen Integrationsinstrumente funktionieren nicht bei dieser Bevölkerungsgruppe“, betonte der bayerische Städtetags-Chef. Deshalb hätten die Kommunen an die Europäische Union (EU) und die Bundesregierung appelliert, die Roma-Minderheit stärker in ihren Herkunftsländern wie Bulgarien und Rumänien zu unterstützen. „Das müssen aus Sicht der deutschen Außenpolitik mehr als gute Worte sein“, unterstrich Maly.

Die Stadt Nürnberg verzeichnet nach Angaben des Sozialamtes seit rund drei Jahren eine steigende Zahl von Bulgaren, Rumänen und auch Polen in der Stadt. Vor allem im vergangenen Jahr habe die Zahl noch einmal kräftig angezogen. Da die häufig gering Qualifizierten meist kaum Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt und auch keinen Anspruch auf Hartz IV oder Sozialhilfe hätten, arbeiteten sie oft schwarz, berichtete die Sozialbehörde. Untergebracht seien sie oft in abbruchreifen Häusern, oft teilten sich mehrere Männer ein Zimmer. Trotzdem seien die Mieten oft horrend.

Der Deutsche Städtetag hatte Ende Januar in einem Positionspapier eine „erhebliche Zuwanderung von Menschen aus Rumänien und Bulgarien beklagt, die bereits in ihren Herkunftsländern deutlich sozial benachteiligt waren“. Allein im ersten Halbjahr 2012 sei die Zahl der Zuwanderer aus diesen Ländern im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 88 000 oder fast 24 Prozent gestiegen. Wegen des wachsenden Drucks forderte der Deutsche Städtetag unter anderem einen Nothilfefonds der EU, Kostenpauschalen von Bund und Ländern für Kindergärten und Schulen sowie Zuschüsse bei Beratungsdiensten, Sprachförderangeboten, Berufsbildungsinitiativen und Rückkehrerhilfsprogramme.

lby

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