Prozess in Augsburg

Augenzeugin kann Polizistenmörder kaum beschreiben

+
Tränen kamen der 31-jährigen Kollegin des erschossenen Polizisten Matthias Vieth, als sie vor Gericht aussagte.

Augsburg – Die einzige Augenzeugin des Augsburger Polizistenmordes hat die beiden Täter nur ungenau gesehen. Die Polizistin gab eine sehr vage Beschreibung der zwei Männer ab, die nach einer Verfolgungsfahrt ihren Kollegen Mathias Vieth (41) erschossen hatten.

Beide hätten Helme getragen, als sie auf einem Motorrad flüchteten, sagte die 31-Jährige. Nur von einem der beiden Männer habe sie durch das Visier des Helmes die Augenpartie sehen können. Selbst die beiden Motorradhelme der Täter kann sie nicht näher kennzeichnen. Ansonsten: Winterjacke, helle Hose, Turnschuhe, vermutlich Handschuhe – viele Details über die Täter gibt es nicht.

Vor Gericht machte die 31-Jährige zunächst einen gefassten Eindruck. Doch als sie den Moment beschreibt, in dem ihr Kollege Mathias Vieth brutal niedergeschossen wird, kommen ihr die Tränen, ihre Stimme versagt eine ganze Zeit lang. „Dann sind ganz viele Schüsse gefallen“, beschreibt sie die Szene aus jener Oktobernacht 2011.

In den frühen Morgenstunden des 28. Oktobers 2011 sei ihre Schicht fast schon zu Ende gewesen, die Rückfahrt zur Wache stand bevor, sagte die Polizistin als Zeugin. Doch Vieth wollte noch eine Runde drehen. Dann habe er auf einem Augsburger Parkplatz ein verdächtiges Auto gesehen. Dort standen nach der Erinnerung der 31-Jährigen zwei Männer mit Helmen, daneben noch ein Motorrad mit laufendem Motor. Als die Polizisten die Männer überprüfen wollten, schwangen sich beide sofort auf das Motorrad und brausten davon.

Vieth nimmt die Verfolgung auf, in einem unwegsamen Waldgebiet stürzten schließlich die Motorradfahrer. Vieth stieg nach Erinnerung seiner Partnerin aus und verhielt sich wie im Polizei-Lehrbuch. Er nahm eine Pistole in den Anschlag und rief den beiden Männern laut zu: „Polizei! Hinlegen oder ich schieße!“ Doch die Männer dachten gar nicht daran. „Dann fiel der erste Schuss“, sagt die Zeugin. Bis heute leidet die 31-Jährige psychisch unter jener Nacht im Oktober 2011. Sie ist zwar wieder im Dienst beim Augsburger Polizeipräsidium, wird jedoch weiter seelsorgerisch betreut.

Nach ihren Angaben hat sie damals nicht damit gerechnet, dass die Situation in dem Waldstück so eskaliert. Als die beiden Täter mit dem Motorrad stürzten, hatte sich die Polizistin sogar Sorgen gemacht, ob die Männer sich beim Sturz verletzt haben könnten: „Ich war auf Erste-Hilfe-Maßnahmen eingestellt.“

dpa

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Regensburger OB Wolbergs wurde verhaftet

Regensburg - Medienberichten zufolge wurde der Regensburger Rathaus-Chef Joachim Wolbergs festgenommen. Ihm wird Bestechlichkeit vorgeworfen.
Regensburger OB Wolbergs wurde verhaftet

Mann (56) erfasst Bub beim Einparken

Illertissen - Mit schweren Verletzungen wurde ein zehn Jahre alter Bub in eine Klinik gebracht. Ein 56-Jähriger hatte ihn auf einem Gehweg angefahren.
Mann (56) erfasst Bub beim Einparken

Heldenhaft: Mann stoppt betrunkenen Geisterfahrer

Bamberg - Ein geistesgegenwärtiger Bürger hat in Oberfranken eine lebensgefährliche Geisterfahrt mit mehr als vier Promille verhindert.
Heldenhaft: Mann stoppt betrunkenen Geisterfahrer

Kommentare