Sanierung des Nürnberger Polizeipräsidiums

Ermittlungen gegen Abrissfirma: Krebserregende Stoffe freigesetzt?

Nürnberg - Das Nürnberger Polizeipräsidium wird derzeit für 49 Millionen Euro saniert. Die Polizei ermittelt jetzt gegen eine der Baufirmen. Möglicherweise hat das Unternehmen gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt. 

Gegen eine an der Sanierung des Polizeipräsidiums Mittelfranken beteiligte Baufirma wird ermittelt. Es bestehe der Verdacht der Baugefährdung und des unerlaubten Umgangs mit Abfällen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der „Nürnberger Nachrichten“. Weil Polizisten des Präsidiums in Nürnberg Zeugen sein könnten, haben Beamte in München Ende Juli die Ermittlungen übernommen. Es geht bei den Vorwürfen um den möglicherweise unsachgemäßen Abriss einer Fahrzeughalle auf dem Gelände der Polizei. Dabei könnten Schadstoffe freigesetzt worden sein.

Laut dem Zeitungsbericht handelt es sich bei den belasteten Baumaterialien unter anderem um Teerpappe, die in den 1950er- und 1960er-Jahren verbaut wurde. Darin enthaltene Zusätze wie Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gelten als krebserregend.

Das Bauamt dementiert

Roman Zirngibl vom staatlichen Bauamt Erlangen-Nürnberg sagte, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Die betroffene Firma aus Cadolzburg arbeite nach seinen Kenntnissen „erstklassig“. Er betonte: „Kein Kollege der Polizei war gefährdet.“ Für die Arbeiten sei sogar eine eigene Schadstoffbauleitung eingesetzt worden. Laut Polizeidirektor Markus Rösl wurden 8000 Euro allein für Schadstoffmessungen ausgegeben.

Auch Polizeivizepräsident Roman Fertinger sagte, ihm seien keinerlei Rechtsverletzungen oder Ordnungswidrigkeiten bekannt. Natürlich gebe es durch die Bauarbeiten Einschränkungen. Einige Kollegen hätten sich dadurch belästigt gefühlt oder „sensibel reagiert“. „Aber wir sehen hier im Moment keine Gefahr“, sagte Fertinger.

Das Polizeipräsidium in der Nürnberger Innenstadt wird derzeit für 49 Millionen Euro saniert. „Das Gebäude war noch funktional, aber nicht mehr zeitgemäß“, sagte Finanzminister Markus Söder (CSU). Die Planungen dafür laufen bereits seit rund zehn Jahren. Mitte Mai begannen die Arbeiten für den aktuellen Bauabschnitt. Dabei werden der Haupt- und Seitenbau sowie die Fassade saniert. Zudem soll das Präsidium ein modernes kriminaltechnisches Labor im Innenhof bekommen. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis 2020 dauern.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolfoto)

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