Fall Mixa: Jetzt streiten die Bistümer

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Walter Mixa

Augsburg - Jetzt streiten die Bistümer. Die Vorwürfe gegen den entlassenen Augsburger Bischof Walter Mixa wegen sexuellen Missbrauchs haben zu einer deutlichen Verstimmung zwischen den Kirchenleitungen in Eichstätt und Augsburg geführt.

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Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke zeigte sich am Mittwoch befremdet, dass der Münchner Generalstaatsanwalt vom Augsburger Ordinariat eingeschaltet wurde, ohne dass er selbst rechtzeitig vorher informiert wurde.

Hankes Sprecher sagte, der Bischof kenne die Details der Vorwürfe gegen Mixa in dessen Zeit als Bischof von Eichstätt noch immer nicht. Dies legt bei kirchlichen Beobachtern den Schluss nahe, bei zurückhaltender Vorgehensweise durch das Bistum Augsburg wären die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Mixa möglicherweise gar nicht erhoben worden.

Hinweise auf Mixas angeblichen Missbrauch, die womöglich nicht mehr aufrecht zu erhalten sind, waren von Mitarbeiterinnen des Bistums Eichstätt ohne Einschaltung der dortigen Bistumsleitung weitergeleitet worden. Dies hätte nicht geschehen dürfen, empörte sich Hanke. Die Mitarbeiterinnen hätten gegen die Vorschrift verstoßen, Verdachtsfälle zuerst intern zu melden. Hanke: “Es besteht Klärungsbedarf, warum die Mitarbeiterinnen diese Vorgaben missachtet haben.“

Weihbischof Josef Grünwald, der das Bistum Augsburg bis zur Neubesetzung des Bischofsstuhles leitet, hatte die Weitergabe der Informationen an die Behörden mit den Leitlinien der Bischofskonferenz begründet, in allen Verdachtsfällen ohne Ansehen der Person die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.

Mixas Anwalt Gerhard Decker sagte unterdessen der Nachrichtenagentur dpa, Hinweise für die Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Ingolstadt hätten sich als “heiße Luft“ entpuppt. Sie stehen nach Medienangaben kurz vor der Einstellung. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt will sich dazu erst an diesem Freitag äußern.

Mixa hatte die Vorwürfe von Anfang an zurückgewiesen. Sein Anwalt erklärte nach einem Besuch bei Mixa in einem Schweizer Sanatorium, der Bischof wisse nicht, was ihm vorgeworfen wird. Er sei über die Anschuldigungen zutiefst erschüttert und habe seine Bereitschaft erklärt, mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten. Er sei auch bereit, sich vernehmen zu lassen, wenn es dafür einen Anlass gibt.

Einen Tag bevor Papst Benedikt XVI. am vergangenen Samstag den Rücktritt des Bischofs annahm, wurden die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs in Mixas Zeit als Oberhirte von Eichstätt bekannt. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hatte auf Veranlassung des Bistums Augsburg entsprechende Vorermittlungen gegen Mixa eingeleitet.

In einem katholisch-konservativen Internetdienst wurde ein angebliches Missbrauchsopfer von Mixa genannt. Der heute 26-Jährige soll sich als Jugendlicher oft in Mixas Nähe aufgehalten haben. Er ließ aber über seinen Anwalt erklären, die im Internet aufgestellten Behauptungen seien falsch. Auch die Staatsanwaltschaft erklärte, der Name des zu Unrecht als Opfer benannten Mannes gehöre nicht zu den Vorermittlungsakten im Fall Mixa.

Das Bistum Augsburg ist aber auch nach der Entlassung seines Bischofs in Unruhe. Aus Unzufriedenheit über die vorübergehende Bistumsleitung durch Weihbischof Grünwald erklärte Dekan Michael Lechner aus Kempten seinen Rücktritt. Er warf dem Domkapitel wegen der Wahl Grünwalds eine “empörende Perspektivlosigkeit“ vor. Das Bistum hätte nach seiner Auffassung andere Signale für eine Neuorientierung gebraucht.

dpa

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