Familiendrama in Franken

Kinder aus Fenster geworfen: Vater in U-Haft

Treuchtlingen - Er war verzweifelt, weil seine Frau ihn verlassen hatte – deshalb warf ein 30-jähriger Vater erst seine drei kleinen Kinder aus dem Fenster und sprang dann selbst hinterher. Die Polizei traf in diesem Moment am Wohnhaus ein, konnte die Tragödie aber nicht mehr verhindern.

Der Anruf in der Polizeidienststelle kam am späten Dienstagabend. Eine junge Frau war am Telefon. Ihre Schwester habe vor wenigen Tagen ihren Mann verlassen und sei zu ihr ins württembergische Allgäu gezogen. Nun habe der Mann angerufen und gedroht, den drei kleinen Kindern etwas anzutun, berichtete sie aufgeregt. Eine Zivilstreife fuhr sofort los zu dem Sechsfamilienhaus im mittelfränkischen Treuchtlingen. Die Polizisten trafen in dem Moment ein, als der Vater die drei Kinder aus dem Fenster im Dachgeschoss warf. Sie mussten alles mit ansehen. „Sie hatten keine Chance mehr, ihn davon abzuhalten“, sagt Polizeisprecher Bert Rauenbusch, der wenig später beim Tatort ankam.

Ein Kind hielt noch einen Papierflieger in der Hand

Das Wohnhaus in Treuchtlingen, aus dem ein Vater seine drei kleinen Kinder aus dem Fenster seiner Wohnung geworfen hat. Anschließend sprang der Mann selbst hinterher.

Das jüngste Kind, ein zehn Monate alter Bub, prallte auf einen Stein auf und wurde lebensgefährlich verletzt. Sein Zustand ist nach wie vor kritisch. Seine beiden zwei und drei Jahre alten Schwestern stürzten rund sieben Meter tief auf die Rasenfläche und wurden schwer verletzt mit Rettungshubschrauber und Krankenwagen ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Nachbar der Familie hatte erst ein Krachen und dann Schreie gehört. Er eilte nach unten und führte die Sanitäter in den Garten, wo die verletzten Kinder lagen. „Eines hatte noch einen Papierflieger in der Hand, mit dem es anscheinend gerade gespielt hatte“, erzählt der 26-Jährige. Die Familie habe sehr zurückgezogen gelebt, berichtet er. Die Eltern waren anscheinend arbeitslos und hatten vermutlich finanzielle Sorgen. Probleme mit der Polizei hatte es noch nie gegeben. Auch der Jugendhilfe im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist die Familie nicht bekannt.

Polizeibeamte suchen am frühen Mittwoch nach Spuren in dem Haus, in dem das Familiendrama in Treuchtlingen seinen Anfang genommen hatte.

Die 22-jährige Mutter hatte ihren aus dem Irak stammenden Mann erst vor drei oder vier Tagen verlassen. Als sie am Dienstag mit ihm telefonierte, war es wieder zum Streit gekommen. Der 30-Jährige drohte ihr, er würde den Kindern etwas antun, wenn sie nicht umgehend nach Hause komme. Dann warf er die drei Kinder in seiner Wut und Verzweiflung aus dem Fenster und sprang selbst hinterher. Auch er wurde verletzt – allerdings nicht so schwer wie zunächst angenommen, er kam in einem Gebüsch auf. Schon gestern wurde er aus dem Krankenhaus entlassen und von den Ermittlern vernommen. Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen, sagte Polizeisprecher Rauenbusch.

Die Beamten hatten noch in der Nacht sämtliche Spuren im Haus gesichert. Die Hintergründe der schrecklichen Familientragödie blieben auch am Mittwoch noch im Dunkeln. Es werden weitere Nachbarn vernommen. Bislang hatte die Familie völlig unauffällig in dem Haus gelebt.

kwo/dpa

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