Forscher entschlüsseln Noten aus dem Mittelalter

Würzburg - Ein Forscherteam der Würzburger Universität will Noten von Komponisten aus dem Mittelalter entschlüsseln. Das Ergebnis soll in 25 Bänden zusammengefasst werden. Das Ziel der aufwendigen Arbeit:

Verschwommene Notenlinien, verblichene Taktstriche und nicht erkennbare Notenlängen - alte handschriftliche Werke eines Komponisten aus dem Mittelalter sind für Musiker der Moderne selten von Nutzen. Ein Forscherteam der Würzburger Universität will das ändern. Professor Andreas Haug vom Institut für Musikforschung nimmt mit seinem Team rund 4500 mittelalterliche Musikhandschriften genauer unter die Lupe und fasst die Ergebnisse in 25 Buchbänden zusammen.

Der Startschuss für das 16 Jahre dauernde Projekt “corpus monodicum“ soll am Montag (24. Oktober) mit einem Festakt in Würzburg gegeben werden. Passend dazu wird einstimmige weltliche und kirchliche Musik des Mittelalters in der Neubaukirche der Uni ertönen. Das Projekt der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur wird von Bund und Land mit rund vier Millionen Euro gefördert.

Das Editionsprojekt soll die bislang noch nicht erschlossenen Bestände, die in Latein verfasst sind, dokumentieren, interpretieren und in die moderne Musiksprache übersetzen. “Wir gehen mit einer historischen Fragstellung an die Kompositionen heran und versuchen sie in ihrer Machart und ihrer Logik zu verstehen“, sagte Haug. Die Handschriften stammen aus dem Archiv des Instituts, wo sie auf Mikrofilm gelagert werden. Die Sammlung ist nach Angaben der Uni weltweit einzigartig.

Die kirchlichen Lieder des Mittelalter sind dem Musikexperten zufolge vor allem für kirchliche Rituale in lateinischer Sprache komponiert worden. Sie wurden ohne Begleitung vorgetragen. “Musikinstrumente spielen in der gottesdienstlichen Musik dieser Zeit praktisch keine Rolle. Ihr Gebrauch galt als heidnisch“, erklärte Haug. Die weltlichen Stücke, die es ebenfalls in den kommenden Jahren zu erforschen gilt, beschäftigen sich mit einem recht modernen Thema: “Es waren in der Regel Liebeslieder erotischen Inhalts.“

dpa

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