Stefan B. gibt brutalen Mord an Franziska zu

Auf dem Weg zum grausamen Geständnis

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Im Prozess um den Mord an der kleinen Franziska hat der Angeklagte gestanden, das zwölfjährige Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben.

Ingolstadt  - Er vergewaltigte und tötete die 12-jährige Franziska. Das gestand der Angeklagte nun im Prozess vor dem Ingolstädter Schwurgericht. Er nennt grausame Details.

Um 9.04 Uhr am Mittwochmorgen betritt Stefan B. den Sitzungssaal 11 im Landgericht Ingolstadt. Seinen schwarzen Kapuzenpulli hat er tief übers Gesicht gezogen und hält den Stoff mit seiner rechten Hand fest, damit den Fotografen und Kameraleuten keine Aufnahme von seinem Gesicht gelingen soll. Als Vorsitzender Richter Jochen Bösl dann die Arbeit der Bildberichterstatter beendet, zieht der 28-Jährige den Pulli aus und sitzt im schwarzen T-Shirt auf dem Klappsitz. In sich zusammengesunken kauert der massige Mann da, regungslos.

Und Stefan B. zeigt keine Regung, als sein Verteidiger eine Erklärung abgibt, er zeigt keine Regung, als das umfassende Geständnis des sexuellen Missbrauchs und der brutalen Ermordung der zwölfjährigen Franziska verlesen wird. Als ihn Richter Jochen Bösl dann fragt, ob es so richtig sei, kommt ein kaum vernehmliches „Ja“ über seine Lippen, und ein leichtes Nicken ist wahrnehmbar.

Im Zuschauerraum herrscht atemlose Stille. Jeder ist geschockt von dem, was da in den letzten Minuten zu hören ist: Demnach fuhr Stefan B. am 15. Februar 2014 ziellos durch die Gegend, stoppte dann am Skaterpark in Nassenfels und hörte Musik. Dabei habe er Franziska und ihre Freundinnen gesehen. Er fuhr dann auf einem Umweg zu dem Radweg, weil er vermutete, dass das Mädchen vorbeikommt. Franziska kam. Stefan B. stieg aus seinem Toyota Paseo, stellte sich vor Franziskas Rad und hielt den Lenker fest, so dass sie absteigen musste. Er zwang sie, ins Auto zu steigen. Ziellos sei er mit ihr herumgefahren, verliest sein Anwalt, und habe sich mit der Schülerin unterhalten.

Dann hielt er an und missbrauchte Franziska, „ohne Gegenwehr, aber ohne ihr Einverständnis“. Stefan B. beschloss, das Mädchen zu töten. Dazu fuhr er mit ihr an den etwa 300 Meter entfernten Rathei-Weiher. Dort seien beide aus dem Wagen gestiegen, Stefan B. habe versucht, Franziska mit einem Gürtel zu erdrosseln. Weil sie noch nicht tot war, legte er ihren Kopf auf ein verkohltes Holzstück von der dortigen Feuerstelle, nahm einen etwa einen Meter langen Holzprügel und schlug zwei Mal auf die nach oben zeigende, linke Kopfseite. Dann beförderte er das tote Mädchen und die zwei Holzstücke in den Teich.

Beim Verlesen verharrt Stefan B. reglos. Leicht vornübergebeugt, die Hände zusammengefaltet auf dem Tisch vor sich, den Kopf etwas nach rechts geneigt, blickt er den Richtertisch durch seine Brille an.

Zu den anderen Punkten der Anklage – Stefan B. werden noch drei Fälle des sexuellen Missbrauchs vorgeworfen, davon zwei an Kindern – gebe es keine Angaben, so die Verteidigung.

Diese drei Fälle waren Gegenstand des Verhandlungstages. Richter Jochen Bösl, Staatsanwalt Jürgen Staudt und Verteidiger Adam Ahmed mühten sich, aus zwei Zeugen Aussagen herauszubekommen, die etwas Licht in die drei Anklagepunkte hätten bringen können. Es gelang ihnen kaum.

Stefan B. verfolgte die Aussagen meist regungslos. Ab und zu strich er sich das strähnige Haar nach hinten, rieb sich ein paar Mal die Hände an der schwarzen Hose, machte sich ein paar Notizen auf einem Blatt Papier. Sein Gesicht zeigte keine Regung. So als ob ihn das alles nichts anginge, was da gerade in seiner Gegenwart verhandelt wird. Als ob Franziskas Tod und die weiteren Vorwürfe ganz weit weg von ihm sind.

Die Erklärung des Verteidigers Ahmed

Bevor Richter Jochen Bösl im Prozess die Vernehmung des Angeklagten zur Sache vornehmen konnte, verlas dessen Verteidiger Adam Ahmed eine Erklärung in eigener Sache. „Die Verteidigung sieht sich unsachlichen und aggressiven Anfeindungen ausgesetzt“, sagte der 43-jährige Jurist. Er habe unter anderem Droh-Mails in seiner Kanzlei erhalten. Weiter erklärte er: „Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von diesem, dem Verfahren zu Grunde liegenden Geschehen!“ Und er richtete auch Worte des Bedauerns an Franziskas Familie: „Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Eltern und der Familie.“ Leider könne die Zeit nicht zurückgedreht werden.

Sachlicher Richter

Für den Vorsitzenden Richter Jochen Bösl dürfte es einer der bedrückendsten Fälle seiner Laufbahn sein. Trotzdem fragt der 52-Jährige ruhig und konzentriert und stellt sich auf das Sprach- und Verständnisniveau der Zeugen ein. Aber er macht auch unmissverständlich klar, dass es ihm sehr ernst ist. „Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei!“, ermahnt er einen Zeugen, der seine Aussagen ständig ändert. Der Prozess ist auf insgesamt 20 Verhandlungstage angesetzte – der passionierte Marathonläufer Jochen Bösl wird sie meistern.

Volker Pfau

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