Irrer Rekordversuch: Freddy Nock balanciert  auf Zugspitze

Freddy Nock will ohne Gondel auf die Zugspitze

Zugspitze – Freddy Nock, 46, will am Samstag auf dem Tragseil der Gletscherbahn Richtung Zugspitz-Gipfel balancieren, ohne Stange, ohne Sicherung. So was hat vor ihm noch keiner geschafft. Aber das ist erst der Anfang: Sechs tollkühne Rekorde sollen folgen.

Es gibt Menschen, für die ist das Leben keins, außer man riskiert es. Vor einiger Zeit hat Freddy Nock ein Seil über einen Löwenkäfig spannen lassen und ist drüber balanciert. Seit er elf ist, geht der Sohn einer Schweizer Zirkusfamilie aufs Hochseil. Mit 18 Jahren stürzte er, vier Meter tief. Krankenhaus. Beide Hände gebrochen. Deswegen aufhören? Ach, Quatsch.

Freddy Nock will ohne Gondel auf die Zugspitze

Vor sechs Jahren wandelte Nock über der Münchner Fußgängerzone, 30 Meter hoch, ganz in schwarz gekleidet, in der Hand eine 25 Kilo schwere Balancierstange. Er sah aus wie ein Magier, wie eine Erscheinung, wie der leibhaftige Lebens-Künstler. Nock ist einer der tollkühnsten Rekordjäger der Welt: Mehrfach steht er für seine Akrobatiknummern im Guinness Buch der Rekorde. 2009 war er auf der Zugspitze und balancierte auf einem der Tragseile der Gletscherbahn entlang. Am ersten Tag musste er den Weltrekordversuch abbrechen – wegen Schneeregen und Nebel. Es war lebensgefährlich für ihn. Erst am nächsten Tag hat er es dann geschafft. Es war das ultimative Abenteuer, ohne Netz, nur mit seiner Balancierstange in der Hand. Am Samstag kehrt er nun auf die Zugspitze zurück. Er hat sich was überlegte, wie er jenes Husarenstück noch überbieten kann. Diesmal geht er den 995 Meter langen Weg von der Tal- bis zur Bergstation, Höhendifferenz 348 Meter, ohne Balancierstange. Er hat nicht mehr auf dem Seil dabei als sich selbst und den lieben Gott, bis zu 150 Meter geht es neben ihm in die Tiefe.

Hier finden Sie Videos von Freddy Nock

„So was wie ich macht sonst keiner“, sagt der 46-Jährige am Telefon. Seine Stimme hat einen symphatischen schwyzerdütschen Akzent, er ist liebenswürdig, freundlich, gelassen. Eine Stunde vor seinem Weltrekordversuch um 16 Uhr, erzählt er, will er noch eine Pressekonferenz geben, danach erst ziehe er sich eine halbe Stunde zurück. „Da kommt dann so langsam die Spannung, das Adrenalin.“ Das Seil, auf dem er balancieren will, ist gerade mal so breit wie eine Streichholzschachtel lang – fünf Zentimeter. Respekt, ja, aber richtige Angst hat Nock nicht. Im Gegenteil. „Der erste Schritt auf dem Seil ist ein sehr interessantes Gefühl“, sagt er, „fast wie Sex.“

Letztes Mal hat er für seinen Zugspitzlauf um die 50 Minuten gebraucht, diesmal rechnet er mit mindestens 75 Minuten Gehzeit. Die Gondelseile sind womöglich schmierig, fettig, an der schlimmsten Stelle wartet eine Steigung von 57 Prozent auf den Schweizer. „Ich hoffe, dass kein Wind kommt“, sagt er. Bewusst verzichtet er auf Sicherungen. Er will nicht von irgendwelcher Technik abhängig sein. „Die Sicherung bin ich.“ Dadurch, dass er auf seine Stange verzichtet, kann er auch nicht mal schnell anhalten, Pause machen, Beine ausschütteln. Ohne Stange heißt: noch mehr Konzentration, noch mehr Lebensgefahr. „Ich verlasse mich nur auf mich selbst“, sagt er. „Mein Körper muss das durchhalten.“

Einzig das Wetter kann Nocks Versuch jetzt noch vereiteln. Als Ausweichtermin haben die Organisatoren noch den Sonntag in der Hinterhand. Aber spätestens dann muss die Seilnummer über die Bühne gehen, denn Nock hat sich in den Kopf gesetzt, innerhalb der nächsten Woche gleich sieben Hochseil-Rekorde aufzustellen. Am Montag ist er auf dem Feuerkogel in Österreich, dort will er den Seillauf mit der längsten konstanten Steigung eintüten. In Bern wartet die längste und höchste Fahrradüberquerung auf ihn. Und dann ist da ja noch die Geschichte am Thunersee: Da will er mal schnell drüber – auf einem Seil, was sonst. Streckenlänge über drei Kilometer. Ein Wahnsinn.

Herr Nock, warum zur Hölle macht man das – sieben Mal die Woche das Leben riskieren? „Weil ich dafür mein Leben lang trainiert habe.“ Und: „Weil ich jetzt so weit bin, dass ich es mir zumuten kann.“

Dann, viel Glück!

Von Stefan Sessler

Hier gibt’s die beste Sicht für den Rekordversuch: Tal- und Bergstation, Gletscherbahn, Terrasse des Gletscherrestaurants „Sonnalpin“ und am Gletschergarten.

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