Prügel-Polizist hat übertrieben gehandelt

Radler muss nicht für rabiaten Rosenheimer Polizeichef blechen

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Der ehemalige Polizeichef von Rosenheim soll eine 15-Jährigen verprügelt haben. In einem Schadenersatz-Prozess beschäftigte er jetzt wieder die Justiz.

Rosenheim - Der inzwischen wegen einer Prügelei verurteilte und suspendierte Rosenheimer Polizeichef hat 2011 einen Radfahrer vom Rad gerissen. Angeklagt wurde allerdings der Radler. Jetzt fiel das Urteil:

Der wegen Prügelvorwürfen vom Dienst suspendierte Rosenheimer Polizeichef beschäftigt weiter die Justiz. Das Amtsgericht Rosenheim wies am Mittwoch eine Schadenersatzklage seines Dienstherrn gegen einen Radfahrer ab. Der Freistaat Bayern wollte sich von dem jungen Mann, den der Polizeichef vor knapp zwei Jahren unsanft vom Fahrrad gezogen hatte, gut 1350 Euro vor allem für Dienstausfallkosten holen.

Denn: Neben dem Radler war bei dem Einsatz auch der Beamte zu Boden gegangen und konnte danach mehrere Tage nicht zur Arbeit gehen. Der Freistaat machte fast 1100 Euro für Dienstausfall und knapp 200 Euro für Arztkosten bei dem Radfahrer geltend. Auch eine Goldschmied-Rechnung in Höhe von 76 Euro für das Polieren des bei der Attacke beschädigten Eheringes des Beamten wollte der Staat beglichen haben. Doch er blitzte ab: Der Einsatz des Polizeichefs sei unverhältnismäßig gewesen, argumentierte das Gericht. Der Radfahrer habe sich nicht pflichtwidrig verhalten.

Der leitende Beamte war im Mai 2011 zusammen mit einem Kollegen in Rosenheim auf Streife unterwegs. Dabei sah er den Radfahrer, der das Rotlicht einer Ampel missachtet habe. Der 51-Jährige stellte sich dem Radler in den Weg, packte ihn am Arm, beide stürzten und verletzten sich leicht. Strafrechtlich blieb der Vorfall ohne Folgen. Dafür wollte der Staat jetzt auf zivilrechtlichem Weg das Geld für den Dienstausfall seines Beamten zurückhaben. Sollte der Freistaat die nächste Instanz anrufen, würde der Fall beim Landgericht Traunstein landen.

Eine Strafkammer des dortigen Gerichts verurteilte den Beamten im vergangenen November in einem anderen Fall wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amt zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten. Er soll den Kopf eines gefesselten Jugendlichen auf der Wache mehrmals gegen die Wand geschlagen haben. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

dpa

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