Prozessauftakt im Sommer

Gewaltsamer Tod von Leila (9): Anklage gegen Oma und Tante

Rothenburg/Jena - Ferien bei den Großeltern - für die neunjährige Leila wurde das zum Martyrium. Sie starb an schweren inneren Verletzungen. Nun wurde Anklage gegen ihre Oma, ihre Tante und deren Lebensgefährten erhoben.

Knapp acht Monate nach dem gewaltsamen Tod eines neunjährigen Mädchens aus Mittelfranken in Thüringen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen drei Verdächtige erhoben. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen den Lebensgefährten der Tante des Kindes, das während der Sommerferien bei den Verwandten in Jena weilte.

Der 24-Jährige soll die kleine Leila aus Rothenburg ob der Tauber massiv in den Bauch getreten haben. Dabei riss laut Obduktion die Bauchspeicheldrüse, so dass das Kind langsam innerlich verblutete. Außerdem bestehe der Verdacht, dass der Mann das Mädchen in den Wochen zuvor mehrfach sexuell missbraucht habe, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera, Jens Wörmann, am Montag.

Die Anklage lautet auf Totschlag sowie mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch. Denn die Untersuchung der Rechtsmedizin habe ergeben, dass das Mädchen in den Tagen zuvor sexuell missbraucht worden sei, erläuterte Wörmann. Dabei seien DNA-Spuren entdeckt worden, die auf den 24-Jährigen als Täter hinwiesen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Hat Leilas Tante Schreie gehört, aber nicht eingegriffen?

Vor Gericht verantworten müssen sich wohl auch die Tante und die Oma des Mädchens. Sie sind wegen Misshandlung Schutzbefohlener durch Unterlassen und unterlassene Hilfeleistung angeklagt. Hintergrund ist, dass das Kind Verletzungen etwa an Kopf und Rippen sowie Hämatome hatte, die schon vor der tödlichen Attacke entstanden sein müssen.

Das Mädchen war den Angaben zufolge in dieser Zeit der Großmutter anvertraut; in ihrer Nachbarschaft lebte auch die Tante mit ihrem Lebensgefährten. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Tante während der tödlichen Tritte in unmittelbarer Nähe des Geschehens gewesen sein muss und so Schreie gehört haben dürfte - ohne einzugreifen.

Nach Angaben des Landgerichts Gera soll der Prozess an der Schwurgerichtskammer möglichst noch vor den Sommerferien beginnen; ein genauer Termin steht noch nicht fest.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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