Giftiger Schrottstaub? Bürger setzen sich zur Wehr

Wonfurt - Die Wonfurter Bürger (Kreis Haßberg) haben genug von einer benachbarten Recyclingfirma. Seit Jahren befürchten sie Gesundheitsschäden durch giftige Staubwolken. Nun haben sie Anzeige erstattet.

Seit Jahren befürchten Bürger des Ortes Wonfurt (Landkreis Haßberge) Gesundheitsschäden durch möglicherweise giftigen Schrottstaub einer Recyclingfirma. Nun hat die Bürgerinitiative “Lebenswertes Wonfurt“ Strafanzeige gegen unbekannt erstattet.

Gleichzeitig lässt der Verein keinen Zweifel daran, dass sich seine Vorwürfe gegen konkrete Behörden richten. Er wirft unter anderem dem Landratsamt und dem Straßenbauamt den “Verdacht der Vorteilsgewährung“ und die “Verletzung der Fürsorgepflicht“ vor. Die Behörden sollen dem Schrottrecycler Loacker baurechtliche Zugeständnisse gemacht haben. Die Genehmigungsbehörden hätten damit gesetzliche Vorgaben “bewusst umgangen oder ignoriert“.

Das österreichische Unternehmen verarbeitet Kabel- und Elektroschrott in dem Ort. Der Bürgerinitiative zufolge entstehen dabei giftige Staubwolken, die Hautreizungen auslösen können. Die Staatsanwaltschaft in Bamberg bestätigte am Dienstag den Eingang der Anzeige. Das Landratsamt sei bislang aber noch nicht von der Staatsanwaltschaft angesprochen worden, sagte eine Sprecherin am Dienstag.

Ein Kritikpunkt der Bürgerinitiative ist, dass das Landratsamt eine vom TÜV Süddeutschland dringend empfohlene Einhausung nicht von dem Unternehmen eingefordert hatte. Zudem hätten die Behörden den Betrieb nicht ausreichend überwacht. Mensch und Umwelt seien deshalb konkret gefährdet, sagte Peter Werner von der Initiative .

Luftmessungen schienen den aufgebrachten Bürgern im Frühjahr recht zu geben: Im März hatte das Landratsamt Schwermetalle in der Luft gemessen. Die Messergebnisse hatten in der Luft zum Teil deutlich überschrittene Grenzwerte bei Blei, Nickel und Kupfer gezeigt. Dem Landratsamt zufolge seien jedoch von Loacker keine Auflagen verletzt worden. Die Behörde legte den Betrieb zunächst still. Das Verwaltungsgericht Würzburg hob diesen Beschluss wieder auf. Es zweifelte dran, dass Kabelschrott für die hohen Schwermetallwerte verantwortlich ist. Elektroschrott darf Loacker dennoch weiterhin nicht schreddern.

Noch in diesem Jahr will die Firma eigenen Angaben zufolge den bislang nur überdachten Vorplatz vor der Maschinenhalle abschotten und die Luft aus der neuen Halle absaugen. Seit einigen Wochen wird der Schadstoffgehalt in der Luft auch mit Gras- und Grünkohlkulturen gemessen. Die Auswertung ist für den Sommer geplant.

Seit der vergangenen Woche beschäftigt das Thema auch den bayerischen Landtag. In diesem Donnerstag will der Vorsitzende des Umweltausschusses, Christian Magerl (Grüne) den Ort besuchen. Die Grünen hatten die Staatsregierung zu einer Stellungnahme im Fall Loacker aufgefordert.

dpa

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