Greenpeace wirft Staatsforsten Umweltfrevel vor

München - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den Bayerischen Staatsforsten systematische Vernichtung alter Buchenwälder im Spessart vor. Dies sei das Ergebnis einer Bestandvermessung.

Eine sechswöchige Erhebung der Baumbestände stütze die Vorwürfe, erläuterten die Umweltschützer am Mittwoch in München. Mit GPS-Geräten erfassten die Aktivisten knapp 24 000 Buchen und Eichen und erstellten 17 Karten und Grafiken. Dabei seien Kahlschlaggebiete gefunden worden, die teils mit gebietsfremden Douglasien aufgeforstet würden - ein schwerer „Waldfrevel“, wie der Klima- und Wald-Experte Martin Kaiser sagte. Hintergrund sei eine „systematische Industrialisierung unserer Wälder“. „Schon in wenigen Jahren sehen Sie keinen Buchenwald mehr“, sagte Kaiser. „Das sind keine Bagatellen mehr.“

Gerade die alten urwaldähnlichen Buchenwälder seien große CO2-Speicher und enorm wichtig für den Klimaschutz. Zudem böten die Bestände mit 300 bis 400 Jahre alten Bäumen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. „Wenn man hier mit der Motorsäge reingeht, kann man nur Fehler machen“, sagte Waldexpertin Gesche Jürgens.

"Unser Ziel sind Mischwälder - auch im Spessart"

Die Bayerischen Staatsforsten wiesen die Vorwürfe zurück. Es gebe keinen Kahlschlag. Bei den Buchen werde deutlich weniger eingeschlagen als nachwachse, sagte Hermann Walter, Leiter des Vorstandsbüros. „Die hohe biologische Wertigkeit im Spessart sehen wir auch.“ Dass die alten Buchenwälder bis heute Bestand hätten, zeige, dass Generationen von Förstern gut gewirtschaftet hätten. Es gebe jedoch waldbauliche Gründe, auch alte Bäume umzuschlagen und unter anderem Douglasien dazwischen zu setzen. „Unser Ziel sind Mischwälder, und zwar überall - auch im Spessart.“ Denn es sei unklar, wie die Buche sich im Klimawandel halten könne. „Natürlich wird der überwiegende Anteil im Spessart die Buche bleiben“, betonte Walter.

Jürgens warf Bayern auch vor, bundesweite Ziele zur biologischen Vielfalt nicht umzusetzen. Demnach soll jedes Bundesland zehn Prozent der öffentlichen Wälder aus der forstlichen Nutzung nehmen. Das Landwirtschaftsministerium verweist hingegen auf eine eigene Bayerische Biodiversitätsstrategie. Der Ansatz laute „Schützen und Nutzen“ auf gleicher Fläche statt pauschaler Stilllegung. Die nationale Biodiversitätsstrategie sei keine Rechtsvorschrift und somit nicht verbindlich.

dpa

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