Kein feiner Zug der italienischen Bahn

Gleis 13 am Münchner Hauptbahnhof gestern: EC 87 nach Venedig vor der Abfahrt. Foto: Kurzendörfer

München - Die Deutsche Bahn klagt über massive Behinderungen ihrer Italien-Züge. Züge nach Verona oder Venedig dürfen zum Teil ab Innsbruck nicht mehr halten - wer nach Südtirol will, soll auf italienische Regionalzüge umsteigen.

EC 85 München-Bologna, Abfahrt am Hauptbahnhof täglich um 9.31 Uhr mit Stopp in Bozen 13.29 Uhr und in Trento 14.01 Uhr - so heißt es im offiziellen, seit Sonntag gültigen Winterfahrplan der Deutschen Bahn. Beinahe wäre der Fahrplan durch eine Eilverfügung der italienischen Schienenregulierungsbehörde URSF außer Kraft gesetzt worden. Die Italiener hatten Anfang Dezember angeordnet, dass die täglich fünf Züge nach Italien nur noch an den Endbahnhöfen halten dürfen. Ab Innsbruck hätten sie also durchfahren müssen - ohne Stopp in Franzensfeste, Brixen oder Bozen. Reisende mit Ziel Südtirol hätten auf Bummelzüge umsteigen müssen. Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel schäumte, sprach von „Blockadepolitik“ und davon, dass hier die europaweit gültige Liberalisierung des Bahnverkehrs durch Italien missachtet werde.

Erst in letzter Sekunde, am Freitag vergangener Woche, hatte die URSF wie berichtet nachgegeben und ihre eigene Verfügung für drei Monate außer Kraft gesetzt. Die Züge dürfen also doch halten. Ausnahme: Die neue Verbindung nach Venedig (täglich ab 11.31 Uhr), auf die die DB besonders stolz ist, darf keinen Zwischenhalt einlegen. Offenbar setzt sich der Lokführer aber derzeit über die Weisung der Italiener hinweg und hält vorschriftswidrig trotzdem. Erst ab Verona startet er ohne weitere Zwischenhalte durch - die Bahn bemüht sich, die Zwischenhalte über Busse anzubieten. Es gibt noch weitere Schikanen: Auf den Bahnhöfen in Südtirol erlebt der Reisende eine Überraschung, sofern er sich an den Fahrplanaushängen über seinen Zug informieren will. Die DB/ÖBB-Züge sind dort gar nicht aufgeführt - es halten sozusagen Geisterzüge.

Hintergrund der Querelen: DB und ÖBB kooperieren im Italienverkehr mit der Privatbahn LeNord, was der italienischen Staatsbahn Trenitalia missfällt. Trenitalia ist übrigens jenes Unternehmen, dass der DB soeben den deutschen Anteil an Arriva abgekauft hat und somit die „Alex-“-Verbindungen ins Allgäu und nach Hof übernimmt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will die Schikanen bei den EU-Verkehrsministern zur Sprache bringen.

Wenig Fortschritt gibt es auch bei einem langfristigen Projekt, der nördlichen Zulaufstrecke zum Brenner-Basistunnel. 2025 soll der 56 Kilometer lange Tunnel fertig sein. Doch bei der Planung des nördlichen Zulaufs zwischen Rosenheim und Kufstein gehe wenig voran, gestand Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) gestern ein. Derzeit wartet die Bahn auf die Freigabe von Planungsgelder durch den Bund. Bahnchef Josel geht davon aus, dass zwei weitere Gleise „sinnvoll“ sind - ob in einem Tunnel, oder direkt neben der nur zweigleisigen Hauptstrecke, sei aber offen.

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