Kinderarmut in Bayern auf niedrigstem Stand

München/Gütersloh - Die Kinderarmut ist in Bayern laut einer Analyse der Bertelsmann Stiftung auf dem bundesweit niedrigsten Stand. Die genauen Zahlen:

7,4 Prozent der unter 15-Jährigen lebten im Jahr 2008 in Familien, die Hartz IV bezogen, wie die am Freitag veröffentlichte Untersuchung ergab. Bundesweit waren 15,6 Prozent der Kinder betroffen. Am höchsten war die Quote in Berlin. Dort lebt jedes dritte Kind (35,7 Prozent) in einer Hartz-IV-Familie. Die Bertelsmann Stiftung hatte alle Städte und Gemeinden ab 5000 Einwohner verglichen. Wegen der Änderung der Berechnungsgrundlagen könne keine Aussage über eine mögliche Steigerung getroffen werden.

“Die Gründe für Armut sind sehr unterschiedlich“, sagte Bertelsmann-Projektmanagerin Petra Klug. Es gebe jedoch einen Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit. “Wo die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist, ist die Kinderarmut auch sehr hoch.“ Auch in Ballungszentren sei die Quote meist höher.

Am niedrigsten waren die Werte in den Landkreisen Eichstädt mit 2,2 Prozent und Freising mit 2,8 Prozent. Bei den Städten schnitt München mit 11,6 Prozent relativ gut ab. Am schlechtesten war die Lage in Hof mit 22,9 Prozent, Schweinfurt mit 22,5 Prozent, Nürnberg und Weiden in der Oberpfalz mit jeweils 20,8 Prozent. Bundesweit bilden Schwerin mit 38,3 Prozent und Bremerhaven mit 37,3 Prozent die Schlusslichter.

“In den Kommunen gibt es einen großen Handlungsdruck“, sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung laut Mitteilung. “Oft geht das Aufwachsen in schwierigen sozialen Umfeldern und das Leben in Armut mit sozialer Ausgrenzung der Kinder und schlechten Bildungschancen einher. Hinzu kommt die angespannte Finanzsituation der Kreise, Städte und Gemeinden, die kaum noch Spielräume für gezielte Hilfen haben.“ Die Ausgaben für soziale Leistungen seien zwischen 2005 und 2010 von 35,4 auf 42,2 Milliarden Euro gestiegen - ein Plus von 19 Prozent. Damit gäben die Kommunen bereits 23,3 Prozent ihrer Budgets für Soziales aus.

Die Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe stiegen zwischen 2006 und 2009 von 20,9 auf 26,9 Milliarden Euro. Davon entfielen 5,5 Milliarden auf Hilfen zur Erziehung von Minderjährigen. Diese stiegen gegenüber 2006 um 1,2 Milliarden Euro (27 Prozent). “Damit haben die Kommunen die finanziellen Grenzen zur Verbesserung der sozialen Lage von Kindern und Jugendlichen erreicht“, sagte Mohn. Mit einem weiteren Anstieg der Sozialausgaben drohe vielen Kreisen, Städten und Gemeinden die Schuldenfalle.

dpa

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