Psychisch fit: Keine Schuldminderung für Baby-Entführerin

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Eine Überwachungskamera filmte die Frau 2010, wie sie Baby Nora aus dem Einkaufszentrum enführte.

Innsbruck/Traunstein - Baby Nora wurde 2010 in einem Salzburger Einkaufszentrum von einer Tirolerin entführt. Im Prozess bescheinigte eine Gutachterin der 33-Jährigen nun volle Schuldfähigkeit. Einer Haftstrafe wird sie kaum entgehen.

Im Prozess um eine spektakuläre Kindesentziehung in Salzburg ist der angeklagten Frau volle Schuldfähigkeit bescheinigt worden. “Es liegen keine Denkstörungen, keine Schizophrenie und keine Paranoia vor“, sagte eine Gutachterin am Mittwoch vor dem Innsbrucker Landesgericht. Dort wird der 33-Jährigen wegen Kindesentziehung der Prozess gemacht. Das Urteil soll an diesem Donnerstag verkündet werden.

Die Eltern von Nora konnten sie bald wieder in die Arme schließen.

Die Frau aus dem Raum Kitzbühel im österreichischen Bundesland Tirol hatte das drei Monate alte Baby im Juni 2010 in einem Geschäft eines Salzburger Einkaufszentrums an sich genommen, als dessen 34 Jahre alte Mutter gerade in der Umkleidekabine stand. Stunden später wurde das Mädchen unversehrt im oberbayerischen Grassau (Landkreis Traunstein) gefunden.

Bereits zum Prozessauftakt im April 2011 hatte die Frau die Tat gestanden. Sie ist nicht wegen Kindesentführung angeklagt, sondern wegen Kindesentziehung, da keine Erpressung im Spiel war. Bei Kindesentziehung drohen maximal drei Jahre Haft. Aufgrund der vollen Schuldfähigkeit kann die 33-Jährige nicht auf mildernde Umstände wegen einer seelischen Krankheit hoffen. Zudem hat sie ein Verfahren wegen Veruntreuung am Hals. Sie soll ihrem ehemaligen Arbeitgeber in einem Reisebüro Geld unterschlagen haben.

Das für das Strafmaß mitentscheidende Gutachten der Psychiaterin hatte nach Prozessbeginn zu einer Unterbrechung bis Anfang dieses Jahres geführt. Die Verteidigung zweifelte die Aussage der Expertin an. Dennoch bescheinigte die Gutachterin der Angeklagten nun erneut die volle Schuldfähigkeit. Die 33-Jährige hatte trotz einer Fehlgeburt im April 2010 damit begonnen, Baby-Ausstattung zu kaufen. Ihr Anwalt argumentierte vor dem Landesgericht, seine Mandantin sei nach der Fehlgeburt traumatisiert gewesen.

Das Verschwinden des Babys hatte seinerzeit eine große Suchaktion im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet ausgelöst. Die Angeklagte hatte sich den in einem Tragekorb liegenden Säugling vor einer Umkleidekabine geschnappt, als die Mutter gerade Kleider anprobierte. Nach einigen Stunden wurde die 33-Jährige von der Polizei in Unterwössen (Landkreis Traunstein) gefasst. Die Mutter konnte ihr Baby kurz danach in Grassau überglücklich in die Arme schließen - es hatte keinerlei Schaden genommen.

dpa/lby

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