Auch Bayern betroffen

Hunderte Kitas wegen Streiks geschlossen

München - Nun wird auch in bayerischen Kindertagesstätten gestreikt: Tausende Eltern mussten ihre Kinder anderweitig unterbringen. Die Beteiligung am Ausstand war hoch.

Wegen des Streiks in den kommunalen Kindertagesstätten sind am Montag mehrere hundert Einrichtungen in Bayern geschlossen geblieben. Tausende Eltern mussten eine alternative Betreuung für ihre Kinder organisieren. In Nürnberg gab es nur in 16 der rund 140 städtischen Kitas einen Notdienst. In München blieben etwa 300 Einrichtungen dicht, in Augsburg rund 30, in Erlangen und Fürth um die 10. „Die Streikbeteiligung ist sehr gut. Das war ein erfolgreicher Auftakt für unseren Arbeitskampf“, sagte Jürgen Göppner von Verdi in Mittelfranken. Der Streik soll mindestens zwei Wochen dauern.

In Nürnberg beteiligten sich laut Verdi zudem etwa 2000 Beschäftigte an einer Demonstration. In München gingen etwa 4000 Menschen auf die Straße. Neben Erziehern wollten auch Sozialarbeiter und -pädagogen etwa in Jugendzentren und Behinderteneinrichtungen in den unbefristeten Ausstand treten. Im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst in Bayern sind nach Angaben des Arbeitgeberverbandes etwa 32.000 Menschen beschäftigt.

Forderungen unrealistisch?

Verdi, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der dbb Beamtenbund fordern eine finanzielle Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe unter anderem durch eine höhere Eingruppierung. Nach Darstellung der kommunalen Arbeitgeber sind die Forderungen - im Schnitt zehn Prozent mehr Lohn - nicht bezahlbar.

„Die Forderung von Verdi nach einer Erhöhung nach dem Gießkannenprinzip ist zu hoch und nicht gerechtfertigt“, sagte Armin Augat, Geschäftsführer des Verbands der kommunalen Arbeitgeber in Bayern. Denn Erzieher sei nicht gleich Erzieher. „In einer kleinen Heile-Welt-Kita auf dem Land geht es ganz anders zu als in einem „Problemkindergarten“ im Ballungsraum. Und das muss sich auch in der Bezahlung niederschlagen.“ Augat bezeichnete die Streiks daher als „verfrüht und überzogen“.

In Nürnberg gab es in einer Notdienst-Kita zusätzlichen Ärger. Wegen Krankmeldungen von Mitarbeitern mussten die ohnehin knappen Plätze nochmals nach unten korrigiert werden, wie eine Sprecherin des Jugendamtes sagte. „Das ein oder andere ärgerliche Elternpaar hat es da schon gegeben.“ Einige Eltern hätten gar gedroht, ihr Kind einfach stehen zu lassen. „Die Situation war allgemein sehr angespannt“, berichtete die Sprecherin.

Verdi hoffe auf die Solidarität der Eltern, wie Göppner sagte. Viele hätten Verständnis für die Forderungen der Erzieher gezeigt. Derzeit verdient ein Berufseinsteiger nach Gewerkschaftsangaben im Durchschnitt 2500 Euro brutto, Leitungskräfte kommen je nach Berufsjahren und Einrichtungsgröße auf bis zu 4000 Euro. Laut Sozialministerium gibt es rund 9200 Kindertagesstätten in Bayern, davon sind 2400 in kommunaler Trägerschaft. In den Einrichtungen der Gemeinden seien etwa 146.700 Kinder registriert.

Arbeitgeber reagieren flexibel

Viele Unternehmen haben auf den Kita-Streik in Bayern flexibel reagiert. Arbeitgeber zeigten Verständnis für die Nöte der Eltern und gaben ihren Beschäftigten früher frei. „Die hören dann schon mittags auf und holen die Kinder wieder von der Oma ab“, sagte die Sprecherin der Münchner Industrie- und Handelskammer, Elfriede Kerschl.

Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung München nahm ihren vierjährigen Sohn einfach mit ins Büro. „Der sitzt mit Malbuch und Kopfhörern mit am Schreibtisch. Und Bestechungsgummibärchen haben wir auch“, sagte Pressesprecherin Ursula Oberhuber.

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie setzt seit 2013 auf die „Plattform Betreuung“. Beschäftigte der Mitgliedsunternehmen können in Notfällen online freie Betreuungsplätze abfragen. Es gebe aber trotz des Streiks derzeit keine erhöhte Nachfrage, teilte die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) mit.

dpa

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