Bayern fürchten Radioaktivität

München - Die Angst geht um angesichts des drohenden atomaren GAUs in Japan. Auch in Bayern machen sich  Menschen Sorgen: um Angehörige und Freunde in Japan, aber auch um die eigene Gesundheit.

Angesichts der drohenden atomaren Katastrophe in Japan fürchten auch Menschen in Bayern eine radioaktive Verseuchung. Hunderte Bürger meldeten sich beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und beim privaten Umweltinstitut München. Sie wollten wissen, ob sie bereits Jodtabletten nehmen sollten und wie es um die Sicherheit der hiesigen Kraftwerke bestellt sei, berichtete Christina Hacker vom Umweltinstitut München am Dienstag. “Seit gestern klingeln die Telefone praktisch ununterbrochen.“ Derzeit gebe es in Bayern aber keinen Anlass zur Sorge. Das Umweltinstitut misst ständig die Werte in München. Bisher seien sie völlig normal.

Viele fragen bereits nach Jodtabletten

In Apotheken fragen viele Kunden bereits nach Jodtabletten. Gekauft habe aber noch niemand, sagte eine Apothekerin in der Münchner Innenstadt. Vor allem in ländlichen Regionen scheinen die Tabletten noch kein Thema zu sein, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Der Bayerische Apothekerverband verzeichnet bislang nur ein “minimales Interesse“. “Viele Verbraucher reagieren nach Beobachtungen der Apotheker besonnen auf die Ereignisse in Japan“, erläuterte Verbandssprecher Thomas Metz.

Apotheker hatten ausdrücklich vor einer Einnahme von Jodtabletten “auf eigene Faust“ gewarnt. Die Präparate sollten nur nach behördlicher Aufforderung genommen werden, hatte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mitgeteilt. Die Tabletten verhindern, dass sich radioaktives Jod aus der Luft oder Nahrungsmitteln in der Schilddrüse anreichert. Das sei aber nur sinnvoll, wenn über Deutschland eine radioaktive Wolke hinwegziehe.

Das LfU beantwortete seit Samstag rund 250 Anrufe. Besorgte Angehörige mit Verwandten in Japan hätten sich etwa gemeldet. Andere Anrufer wollten wissen, ob sie noch vor die Türe gehen oder Milch trinken könnten, oder ob auch in Bayern ein folgenschweres Erdbeben möglich sei. Das LfU verwies darauf, dass laut Bundesregierung keine Auswirkungen auf Deutschland zu erwarten seien und starke Erdbeben hierzulande nicht vorkommen. Anrufe gingen auch bei den örtlichen Gesundheitsreferaten ein.

Bei Gesundheitsämtern in Nürnberg, Würzburg und Bamberg gingen nach Angaben von Mitarbeitern bislang keine oder nur wenige Anrufe besorgter Bürger ein. Bei der Nuklearmedizin-Abteilung im Nürnberger Klinikum hatten sich bis zum Dienstagmittag lediglich zwei besorgte Anrufer gemeldet und danach erkundigt, ob und wie sie sich gegen eventuelle erhöhte Radioaktivität schützen können.

“Viele Leute sind in diesen Tschernobyl-Schock gefallen“, fasste Christina Hacker vom Umweltinstitut zusammen. Jetzt Jobtabletten zu nehmen sei unsinnig. Es sei aber je nach Wetter und Windrichtung nicht auszuschließen, dass sich die radioaktive Wolke über die nördliche Hemisphäre verteilen werde. “Wir schwimmen ein bisschen in Unkenntnis.“ Heimkehrer aus Japan sollten versuchen, Staub an Schuhen und Kleidung nicht in die Wohnung zu tragen und die Sachen mehrmals zu waschen. “Viele Anrufer fragen auch nach der Sicherheit unserer Reaktoren.“

Zu dem Moratorium für die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke sagte Hacker: “Es musste wieder mal erst was passieren, damit ein Umdenken stattfindet. Was hat sich denn seit gestern geändert an unseren Reaktoren?“

Am Münchner Flughafen lief der Flugverkehr nach Japan am Dienstag weitgehend normal. Die Lufthansa und die All Nippon Airways fliegen von München aus nach Japan. “Diese beiden täglichen Verbindungen nach Japan wurden täglich durchgeführt und sie sind auch heute auf dem Flugplan“, sagte Flughafensprecher Peter Prümm. Die Lufthansa habe allerdings die Flugzeiten geändert. Die Flugzeuge der Airline würden nach den Flügen auch auf Strahlung kontrolliert. Bisher gebe es aber keine erhöhten Werte. “Es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.“ Die Passagiere würden bisher nicht auf Radioaktivität kontrolliert.

dpa

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