Missbrauch im Beichtstuhl? Streit um Gutachten

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Der Anwalt des Bistums Würzburg, Günter Paul, lächelt am Dienstag vor Prozessbeginn in einem Saal des Landgerichts Würzburg neben der Klägerin Cornelia H.

Würzburg - Eine heute 47-jährige Frau soll als Mädchen im Bistum Würzburg im Beichtstuhl sexuell missbraucht worden sein. Im Prozess gibt es jedoch Verzögerungen, ein Gutachter soll befangen sein.

Der Prozess um einen angeblichen Missbrauch in einem Beichtstuhl zieht sich weiter hin. In dem Zivilverfahren stritten sich die Beteiligten am Dienstag über das Gutachten eines Sachverständigen, das der Klägerin volle Prozess- und Geschäftsfähigkeit bescheinigte. Der Anwalt der Frau warf dem Gutachter Befangenheit vor, weil er Stellungnahmen anderer Ärzte nicht einbezogen habe. Die Frau behauptet, vor etwa 40 Jahren von einem Würzburger Priester im Beichtstuhl sexuell missbraucht worden zu sein und fordert 250 000 Euro Schmerzensgeld. Das Landgericht Würzburg will bis Anfang Juni über den Befangenheitsantrag entscheiden.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Die heute 49-Jährige hatte zwischen 1964 und 1974 in einem Kinderheim in Würzburg gelebt. Sie soll dort auch von Franziskanerschwestern verprügelt worden sein. Erst vor einigen Jahren will sich die schlanke Frau mit den kurzen grauen Haaren an die angeblichen Vorfälle erinnert haben. Als Grund nannte sie die Traumatisierung durch den Missbrauch. Das Gutachten, das das Gericht am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutierte, kommt dagegen zu dem Schluss, dass die Frau die ganze Zeit über voll prozess- und geschäftsfähig war. Somit hätte sie ihre Ansprüche schon früher geltend machen können und müssen. Ein Großteil der möglichen Taten, die etwa 40 Jahre zurückliegen, ist inzwischen verjährt.

Die Diözese Würzburg wies erneut alle Vorwürfe der Frau zurück. Der Rechtsanwalt der Diözese, Günter Paul, betonte, das Bistum habe “auf den allerersten Verdacht hin“ ermittelt. Untersuchungen hätten aber die Schilderungen der Frau nicht bestätigt. Der Täter konnte nie gefunden wurde, der Beichtstuhl auch nicht. Erst als klar gewesen sei, dass an den Vorwürfen nichts dran sei, habe man sich auf die Verjährung berufen, erklärte Paul.

Der Anwalt der mittlerweile in Augsburg lebenden Frau argumentiert aufgrund ihrer Traumatisierung gegen die Verjährungsregelung. Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

dpa

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