Mordprozess: Angeklagte beschuldigt Ex-Partner

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Die Angeklagte Denise R. wartet im Sitzungssaal in Nürnberg auf den Prozessbeginn.

Nürnberg - In der Neuauflage des "Jessica"-Mordprozesses vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth hat die bereits wegen Totschlags verurteilte Angeklagte ihren Ex-Verlobten beschuldigt.

Ihr damaliger Partner habe ihr wenige Tage nach dem gewaltsamen Tod ihrer Freundin Jessica im Juni 2008 gesagt: "Ich hab's gemacht."

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Bislang habe sie geschwiegen, weil sie den Mann so geliebt habe. Doch nachdem er ihre Verurteilung nicht verhindert und zudem ein Verhältnis mit ihrer Cousine angefangen habe, habe sie die Verlobung inzwischen gelöst, sagte die 30-Jährige am Dienstag. Deshalb könne sie nun reden.

Die Angeklagte aus Erlangen ist wegen Totschlags an ihrer Nachbarin bereits zu mehr als 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof verwies den Fall jedoch an das Landgericht zurück, weil nicht ausreichend berücksichtigt worden sei, ob die Tat eine andere Straftat verdecken sollte. Dann wäre das Verbrechen als Mord zu werten. Die Angeklagte hatte mit der EC-Karte der zweifachen Mutter heimlich 7000 Euro abgehoben. Die Bluttat fand einen Tag vor einer Gegenüberstellung bei der Bank statt, bei der die 30-Jährige mit großer Sicherheit aufgeflogen wäre.

Nach den Worten der Angeklagten waren die Abhebungen mit dem Ehemann des 26 Jahre alten Opfers abgesprochen. Das Geld sollte für Drogengeschäfte verwendet werden. Sie habe ihre Freundin nicht mit 40 Messerhieben getötet, sagte die dreifache Mutter am Dienstag erneut.

Nach dem Tod ihrer Freundin habe sie unglaubliche Angst vor dem unbekannten Mörder gehabt. Um sie zu beruhigen, habe ihr damaliger Verlobter ihr seine Schuld gestanden. Weil sie ihn "einfach über alles geliebt" und gehofft habe, dass er sie durch ein Geständnis vor der Haft bewahre, habe sie so lange geschwiegen.

Direkte Auswirkungen wird die neue Aussage Prozessbeteiligten zufolge vermutlich nicht haben. Die Ermittlungen gegen den Ex-Verlobten wurden nach Angaben des Anwalts der Frau, Axel Graemer, bereits eingestellt.

 Die Kammer hat im jetzigen Verfahren ausschließlich zu prüfen, ob es sich bei der Tat um Totschlag oder Mord handelte. Die Verteidigung kündigte dennoch an, ein Wiederaufnahmeverfahren zu beantragen, damit sämtliche Beweise nochmals neu geprüft werden. Anwalt Graemer macht sich wegen der vielen verschiedenen Versionen seiner Mandantin jedoch wenig Hoffnungen.

dpa

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