Mordprozess: Angeklagte lügen vor Gericht

Kempten - Vier junge Männer und eine Frau müssen sich seit Dienstag wegen des Mordes an einem 26-Jährigen verantworten. Zwei von ihnen sollen ihn zusammengeschlagen haben, gemeinsam wimmelten sie den alarmierten Notarzt ab und ließen ihr Opfer sterben.

Zwei junge Männer prügeln und treten auf ihr Opfer ein, bis es Blut spuckt. Dann lassen sie es aus Angst vor der Polizei sterben: Am Dienstag hat der Prozess um den gewaltsamen Tod eines 26-Jährigen vor dem Landgericht Kempten begonnen. Vier Männer und die Ex-Verlobte des Opfers sind wegen gemeinschaftlichen Mordes und Beihilfe zum Mord angeklagt.

Zum Prozessauftakt verstrickten sich die mutmaßlichen Täter bei ihren Aussagen vor Gericht in Widersprüche über die Tat im vergangenen Dezember. Einer der beiden Schläger gab zu, den 26-Jährigen getreten zu haben. Sein Cousin machte keine Aussage.

Die Beschuldigten hatten damals in der Wohnung eines Mitangeklagten in Kaufbeuren zusammen getrunken. Die 22-Jährige stritt sich mit ihrem Verlobten und schlug ihn laut Anklage ins Gesicht. Ihr Ex-Freund und dessen Cousin gingen dazwischen, schlugen und traten den angetrunkenen Mann. Einer der Angreifer soll sogar vom Bett aus auf sein Opfer gesprungen sein. Die Verlobte, die untätig zugesehen hatte, rief mit einem weiteren Mann zusammen den Notarzt.

Die beiden Schläger drängten jedoch aus Angst vor der Polizei darauf, die Sanitäter abzuwimmeln. Die 22-Jährige log die eintreffenden Einsatzkräften deshalb an und sagte, dass der junge Mann die Wohnung bereits verlassen habe. In Wahrheit war er mit den mutmaßlichen Tätern im Badezimmer. Hier hatten sie ihm das Blut vom Körper gewaschen. Später legten sie den Schwerverletzten ins Schlafzimmer auf ein Doppelbett.

In der Nacht hatte die 22-Jährige dann Sex mit ihrem Ex-Freund - während ihr Verlobter neben ihr im Sterben lag. Am frühen Morgen erlag der 26-Jährige seinen schweren inneren Verletzungen. Erst dann wählten die Angeklagten erneut den Notruf. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte gaukelten sie ihnen vor, dass sie den jungen Mann kaum kennen würden und er schon verletzt zu ihnen gekommen sei.

Zum Prozessauftakt entpuppten sich einige Aussagen der Angeklagten auch gegenüber der Polizei als Lügen. Die 22-Jährige etwa gab zu, dass sie einen der Männer fälschlicherweise beschuldigt hatte. Sie hatte ihm vorgeworfen, dass er sie beim Eintreffen der Sanitäter davon abgehalten hatte, die Tür zu öffnen. Der Vorsitzende Richter ermahnte die junge Frau mehrfach, die Wahrheit zu sagen und nicht zu fantasieren.

dpa

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