Radler verfolgt und gerammt: Hohe Haftstrafe für Ärztin 

Der Mountainbiker und die Ärztin

Augsburg - Eine Ärztin hat einen Mountainbiker absichtlich angefahren und schwer verletzt - dafür verurteilte das Landgericht Augsburg die 47-Jährige zu einer langen Haftstrafe.

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Sie muss nun fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Gericht sah die Anklagepunkte des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung als erwiesen an. “Die Angeklagte hat das Auto als Waffe missbraucht“, sagte der Vorsitzende Richter. Nach Ansicht des Gerichts hatte die 47 Jahre alte Ärztin aus Pforzheim im August 2008 einen Radfahrer bei Dießen am Ammersee hartnäckig verfolgt und willentlich niedergefahren. Der Radfahrer hatte zuvor den Außenspiegel ihres Autos leicht beschädigt und die Frau mit dem Zeigen eines “Stinkefingers“ beleidigt. Bei dem Unfall war der 40-Jährige lebensgefährlich verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen “versuchten Mordes“ aus Rache sechs Jahre und fünf Monate Haft gefordert, die Verteidigung der Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung plädiert. Der Richter sagte in der Urteilsbegründung, die Angeklagte habe das Recht gehabt, den Radfahrer zu verfolgen, sie habe ihn aber nicht verletzen dürfen. Eine Tötungsabsicht könne ihr aber nicht unterstellt werden. Die Angeklagte hatte das Fahrrad ihres Opfers nach einer minutenlangen Verfolgungsfahrt mit aufheulendem Motor schließlich auf einem Radweg von hinten gerammt. Der Mountainbiker stürzte vor das Auto und wurde überrollt. Dabei erlitt das Opfer Frakturen im Becken- und Brustkorbbereich, eine Lungenquetschung, Rippenbrüche und erhebliche Kopfverletzungen.

Nur mit Glück überlebte der 40-Jährige den Unfall. Die Angeklagte soll nach dem Unfall aus dem Auto ausgestiegen sein und zu dem am Boden liegenden Bewusstlosen gesagt haben: “Das macht der nie wieder.“ In ihrem Schlusswort hatte sich die Angeklagte bei dem Opfer entschuldigt und unter Tränen erklärt, sie habe den Mann niemals verletzen wollen. Sie habe noch nie in ihrem Leben Gewalt angewendet und ihre Einstellung als Ärztin sei immer gewesen, Menschen zu helfen. Im Prozessverlauf hatte sie erklärt, sich an entscheidende Momente des Geschehens nicht mehr erinnern zu können. Ein Gutachter hatte der zur Tatzeit unter einer schweren Depression leidenden Angeklagten “eingeschränkte Steuerungsfähigkeit“ attestiert, durch die es zu einem “persönlichkeitsfremden Handeln“ bei der Beschuldigten gekommen war. Sie habe aber jederzeit die Folgen ihres Handelns erkennen können. 

dpa

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