Prozess in Würzburg

Mord an Nachbar: Anklage fordert lebenslange Haft

Würzburg - Ein 76-Jähriger wird mit einem Stich in den Rücken ermordet. Niemand hört oder sieht etwas. Der Verdächtige streitet die Tat ab. Vor Gericht fordert die Anklage lebenslange Haft, die Verteidigung Freispruch.

Gipfelte der jahrelange Nachbarschaftsstreit um Mülltonnen, Grünschnitt und Hundegebell in heimtückischem Mord? Das wird einem 46 Jahre alten Mann aus dem unterfränkischen Randersacker vorgeworfen. Er soll seinen 76 Jahre alten Nachbarn vor einem Jahr mit einem Messerstich in den Rücken umgebracht haben. Die Anklage forderte am Dienstag vor dem Landgericht Würzburg für dieses Verbrechen lebenslange Haft, die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Der Angeklagte stritt die Tat vor Gericht ab.

Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen sagte in seinem Plädoyer, der Angeklagte habe den Nachbarn hinterrücks und heimtückisch angegriffen und getötet. „Der Stich war wuchtig, er war heftig, er war tief und lang. Bei dieser Wucht des Stiches hat der Angeklagte den Tod billigend in Kauf genommen.“ Die Männer hätten sich zwar seit Jahren immer nur wegen Kleinigkeiten gestritten. „Aber das waren Kleinigkeiten, die sich in der Summe aufaddierten.“

Zeugen zufolge ärgerte den Angeklagten immer wieder, dass die Mülltonnen der Nachbarn auf seiner Grundstücksseite standen und deshalb dort Papierschnipsel herumlagen. Er soll hingegen seinen Grünschnitt unrechtmäßig entsorgt haben. Auch hätten sich manche Nachbarn am Gebell seines Dackels gestört. Seit Jahrzehnten habe der Angeklagte das Opfer immer wieder verbal attackiert. Der 76-Jährige habe darüber aber nur gelacht.

Der Angeklagte sagte, er sei zur Tatzeit mit seinem Hund unterwegs gewesen und habe den Nachbarn nicht gesehen. An seiner Hose und seiner Schläfe waren jedoch Blutspritzer und DNA-Spuren des Opfers gefunden worden.

Für den Verteidiger Bernhard Löwenberg ist die Täterschaft seines Mandaten nicht zweifelsfrei bewiesen. So sei unklar, wie alt die DNA-Spuren seien und ob sie nicht auch vor Wochen schon auf anderem Wege an die Hose das Angeklagten gekommen sein könnten. Die Ermittler hätten sich zudem zu schnell auf seinen Mandanten als Täter eingeschossen und deshalb nicht weiter in andere Richtungen ermittelt.

Der tödliche Messerstich im September 2013 überraschte den Nachbarn beim Schneiden einer Hecke zwischen den beiden Grundstücken. Für die Tat gibt es keine Augenzeugen. Die Ehefrau des Opfers arbeitete zu der Zeit ebenfalls im Garten und hörte lediglich den Todesschrei ihres Mannes.

Das Urteil sollte zunächst am Dienstagnachmittag verkündet werden. Aufgrund der Plädoyers müsse sich die Strafkammer jedoch intensiv beraten, sagte der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl. Er will das Urteil deshalb erst am Mittwoch (10.00 Uhr) verkünden.

dpa

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