Naturschützer: Bayern käme in zwei Jahren ohne Atomkraft aus

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Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutzes

München - Atomausstieg jetzt! Das ist nicht nur eine Forderung von Kernkraftgegnern, sondern eine reale Möglichkeit, sagen Naturschützer. So soll es funktionieren:

Nach Ansicht des Bundes für Naturschutz (BN) könnte Bayern in spätestens zwei Jahren ohne Kernenergie auskommen. Deutschland exportiere heute 15 Gigawatt Strom pro Jahr, was einer Leistung von neun Atomkraftwerken entspreche, sagte der Verbandsvorsitzende Hubert Weiger am Donnerstag in München. Er bezog sich dabei auf Angaben des Umweltbundesamtes.

Der baldige Ausstieg sei möglich, “wenn die bayerische Staatsregierung endlich statt Atomlobbypolitik zu betreiben, massiv Energieeffizienzmaßnahmen fördert und den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreibt“, sagte Weiger. Einige Kommunen im Freistaat gingen mit gutem Vorbild voran und zeigten bereits, dass eine schnelle Wende zu erneuerbaren Energien möglich sei.

“Wir könnten relativ rasch die Hälfte unseres Stroms sparen und bei den erneuerbaren Energien stehen wir erst am Anfang“, sagte Weiger. Gerade bei der Kraft-Wärme-Kopplung und der Windenergie bestünden große Potenziale in Bayern. Der Anteil von Atomstrom in Deutschland betrage heute etwa 22 Prozent. “Vom Wuppertaler Institut ermittelte kurz- und mittelfristige Einsparpotenziale für Strom betragen ebenfalls circa 20 Prozent unseres deutschen Strombedarfs. Mit intelligentem Stromsparen könnten wir alle Atomkraftwerke in Bayern sofort abschalten“, heißt es beim BN.

Um die Wende zu erneuerbaren Energien zu schaffen, müssten die Menschen jedoch besser informiert werden. Energieberater könnten ihnen zeigen, wie sie etwa veraltete Heizungsanlagen ersetzen und damit einen Großteil Strom und Kosten sparen.

Die Bürgermeister von Furth (Kreis Landshut) und Wildpoldsried (Kreis Oberallgäu), Dieter Gewies (Grüne) und Arno Zengerle (CSU), beschrieben, wie ihre kleinen Gemeinden es schaffen, fast autark ihre Energie zu erzeugen: Sie setzen auf Biomasse, Sonnenkollektoren und Wind - und vor allem aufs Energiesparen. 80 Prozent des Wärme- und 60 Prozent des Strombedarfs würden bereits selbst erzeugt, sagte Gewies.

Auch größere Gemeinden mit bis zu 10 000 Einwohnern könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre sehr leicht umsteigen. “Am Anfang war es schwierig, aber eigentlich ist es nichts besonderes. Man muss nur den politischen Willen aufbringen und richtig investieren“, sagte Gewies. Die Anlagen seien zudem auch wirtschaftlich rentabel.

Zengerle betonte, die Menschen müssten ihren Widerstand gegen Speicherkraftwerke, Wasser- und Windkraftanlagen aufgeben. “Man muss den einen oder anderen Kompromiss machen, wenn wir aus der Atomkraft aussteigen wollen. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, werden wir sie nicht schnell ablösen können.“

dpa

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