Naturschützer fordern Korrektur der Biogas-Förderung

Nürnberg - Maisfelder bis zum Horizont. Mit dem Biogas-Boom rechnet es sich für Bauern, auf Maisanbau zu setzen - zum Schaden für die Umwelt, beklagen Naturschützer. Sie fordern eine Korrektur der “Fehlentwicklung“.

Bayerische Naturschützer haben angesichts der rasant wachsenden Maisanbau-Fläche im Land eine Korrektur der gesetzlichen Biogas-Förderung in Deutschland gefordert. Grundsätzlich sollten nur noch kleinere Anlagen mit einer Leistung von maximal 150 Kilowatt eine für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung erhalten, verlangte der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern (BN), Hubert Weiger, am Donnerstag in Nürnberg. Die Tendenz zu großen Biogasanlagen mit einer Leistung von bis zu 20 Megawatt Wärmeleistung und einem entsprechend hohen Bedarf an Biomasse müsse gestoppt werden.

Bisher erhalten Betreiber kleinerer Biogasanlagen nach Angaben von BN-Energiereferent Herbert Barthel eine Einspeisevergütung von rund 15 Cent pro Kilowattstunde, Betreiber größerer Anlagen von 6 Cent. Die Energieversorger sind dazu gesetzlich verpflichtet, die Vergütung für 20 Jahre zu garantieren. Ohne diese Vergütung müssten sich Biogas-Erzeuger auf dem freien Markt um Stromabnehmer kümmern.

Maisanbau beeinträchtigt nach Ansicht der Naturschützer nicht nur das Landschaftsbild, sondern ist auch ökologisch bedenklich. Er bedrohe den Artenreichtum, führe zu einer Überdüngung des Bodens und belaste damit das Grundwasser mit Nitrat. Auch förderten Mais-Monokulturen die Bodenerosion. Inzwischen bringe die Nachfrage nach ertragreicher Maisanbaufläche auch die Bauern selbst unter Druck. Für geeignetes Ackerland würden bereits Hektarpreise zwischen 1000 und 1500 Euro gezahlt; bisher seien Preise zwischen von 300 bis 500 Euro üblich gewesen. “Wer jetzt einen neuen Pachtvertrag abschließen muss, hat oft ein Problem“, berichtete Weiger.

Die im Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelte Förderpraxis habe in der bayerischen Landwirtschaft zu krassen Fehlentwicklungen geführt. Statt Bioabfälle wandere immer mehr Mais in die Biogasanlage; dieser verspreche eine besonders hohe Energieausbeute. Inzwischen wird nach BN-Angaben in Bayern auf jedem vierten Hektar Ackerfläche Mais angepflanzt. Knapp 20 Prozent der Ackerflächen würden bereits für die Erzeugung von Energiepflanzen genutzt; dazu gehören neben Mais auch Raps. Besonders stark hätten die Maisflächen im Südost-Bayern zugenommen. “Auf Platz eins steht der Landkreis Rottal-Inn; dort sind inzwischen 60 Prozent der Agrarflächen mit Mais bepflanzt“, berichtete Weiger.

Nach Weigers Ansicht sollten Landwirte ihre Biogas-Anlagen deshalb hauptsächlich dafür einsetzen, wofür sie einst gedacht waren: Die Verarbeitung von Bioabfällen aus der Landwirtschaft und Privathaushalten. Als bisher kaum genutztes Potenzial sieht Weiger etwa den Inhalt von Bio-Abfalltonnen. Hier seien die Landkreise gefragt. Die Bundespolitik forderte Weiger zur Abkehr von der bisherigen Vergütungspolitik auf: Biogasbetreiber dürften nicht noch dafür belohnt werden, dass sie Biomasse - etwa Mais - verarbeiteten, die eigens für diesen Zweck angebaut werde.

dpa

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