Nockherberg: So schenkt Bavaria den Polit-Promis ein

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Luise Kinseher als "Bavaria" las den Politilern auf dem Nockherberg die Leviten.

München - Beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg hat erstmals “Mama Bavaria“ persönlich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und die übrige bayerische Politik ins Gebet genommen.

Beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg hat erstmals “Mama Bavaria“ persönlich Ministerpräsident Horst Seehofer und die restliche bayerische Politik ins Gebet genommen. “Ich weiß gar nicht, wie ich Euch ansprechen soll: Meine lieben Kinder? Meine missratenen Kinder?“, spottete die Kabarettistin Luise Kinseher, die in diesem Jahr als erste Frau die Rolle der Bußpredigerin übernahm. “Wenn ich Euch so sehe, relativiert sich der Begriff Mutterglück!“, sagte sie zur versammelten Politikergemeinde.

Gekommen waren neben Seehofer - den Kinseher konstant als “Horsti“ anredete - alle drei CSU-Minister im Bundeskabinett, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), das gesamte bayerische Kabinett und viele andere Politiker. Es fehlte der gestürzte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). “Der hätte eigentlich kommen können. Wenn einer in der CSU mal einen Fehler macht und das nicht gleich drei Milliarden kostet, ist das schon ein Fortschritt“, spottete Kinseher über das Debakel der BayernLB in Österreich.

“Mama Bavaria“ trat allerdings eher wie eine boshaft-zynische Lehrerin auf als wie eine liebende Mama. “Horsti“ Seehofer gab sich schon vorher gefasst: “Mama ist eine positive Figur“, scherzte er. “Das hängt nicht vom Alter ab.“ Kinseher zog Seehofer auf der Bühne nach Strich und Faden auf: “Du und Deine Wandungsfähigkeit waren in Bayern immer schon das größte anzunehmende Restrisiko.“ Der “Horsti“ sei inzwischen kein Alphahengst mehr, sondern ein “Alphawallach“.

Kinseher in ihrer Mutterrolle äußerte tiefes Bedauern über Guttenbergs Abwesenheit: “Dem Gutti werden wir auf dem Nockherberg immer einen Stuhl freihalten. Das macht ja die CSU auch“, sagte sie. Allerdings muss der “Horsti“ aufpassen, dass es nicht sein eigener ist.“ Ohne Guttenberg stehe in der CSU wieder alles auf Null. “Langsam bekommt die CSU was Verzweifeltes.“ Doch das Allerwichtigste sei: “Gell Horsti, Du magst ja noch eine Zeitlang Ministerpräsident bleiben, gell?“ Aber Guttenberg werde schon wiederkommen, “unser Bazi, unser adliger.“

Auch Umweltminister Markus Söder (CSU) wurde von der “Mama Bavaria“ aufgezogen: “Du Markus, freust Du dich eigentlich, dass der Gutti nicht mehr da ist?“ Wenn der Gutti das Telefonbuch lese, glaube jeder, er halte eine weitreichende Rede. “Und wenn Du - also rein hypothetisch - eine weitreichende Rede hältst, dann meint jeder, Du willst ihm einen Gebrauchtwagen ohne Getriebe andrehen.“

Im Hausärzte- und Krankenkassenstreit sei Söder sogar Schlichter gewesen. “(...) Das ist ja genauso, als würde man aus dem Rambo einen Gartenzwerg machen.“ Sie habe Söder lieb, sagte die “Mama“. “Ich hab Dich lieb, auch wenn Deine Frau und ich weit und breit die Einzigen sind.“

Im anschließenden Singspiel feiern Guttenberg und Gattin Stephanie ein triumphales Comeback. Der Baron (Stefan Murr) erscheint nach seinem Rücktritt auf der Nockherbergbühne als gebeugter alter Mann mit ergrautem Haar und Krückstock. Gutti singt ein Lied - “das habe ich selbst geschrieben“ - das von vorn bis hinten aus Versatzstücken alter Hits zusammengeklaubt ist - einschließlich AC/DC: “I'm on the Highway to Hell.“ Dafür erntet er stürmischen Jubel.

dpa

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