Betreuerin soll Kindern Taschengeld geklaut haben

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Eine 46 Jahre alte Jugendbetreuerin gestikuliert wild im Landgericht Passau (Niederbayern) neben ihrem Rechtsanwalt. Die Frau muss sich wegen Veruntreuung von rund 210.000 Euro verantworten

Passau - Sie soll ihren Schützlingen das Taschengeld vorenthalten haben. Doch das war nicht das Einzige, was sich eine Jugendbetreuerin geleistet hat. Nun muss sie sich vor Gericht verantworten.

Wegen Veruntreuung von rund 200 000 Euro muss sich seit Freitag eine 46 Jahre alte Jugendbetreuerin vor dem Landgericht Passau verantworten. Die Frau soll unter anderem Jugendlichen im Alter von 17 bis 19 Jahren, die in einer Wohngruppe für Behinderte lebten, das Taschengeld vorenthalten haben. Bei einer früheren Stelle in einem kirchlichen Jugendbüro soll sie beispielsweise Mietforderungen erfunden haben, um das Geld dann in die eigene Tasche zu stecken.

Das Verfahren startete zäh, nach der Anklageverlesung kam es zu einem fast zweistündigen Gespräch des Verteidigers, der Staatsanwältin und der Strafkammer hinter verschlossenen Türen. Das Gericht kam aus der Besprechung mit dem Ergebnis zurück, dass einige Fälle schon verjährt und andere doppelt angeklagt seien. Das müsse nun überarbeitet werden. Der Prozess wird deshalb statt am Dienstag erst am kommenden Freitag fortgesetzt.

Die in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte hatte das kirchliche Jugendbüro im niederbayerischen Ruhstorf (Landkreis Passau) 17 Jahre lang geleitet, bis Herbst 2009. Damals wechselte sie als Erzieherin nach Eggenfelden (Landkreis Rottal-Inn), um dort - bis zur Festnahme im Mai 2011 - eine Jugendwohngruppe zu betreuen. Laut Anklage hat sie bei beiden Stationen Geld in erheblichem Umfang abgezweigt, rund 500 Fälle umfasst die Anklageschrift - alle “von erheblichem Umfang und auf Dauer zur Sicherung einer fortlaufenden Einnahmequelle“. Dadurch wird aus der Untreue juristisch eine gewerbsmäßige Untreue mit einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren.

Die 46-Jährige soll für eigene Zwecke Geld vom Konto des kirchlichen Jugendbüros abgebucht oder direkt aus der Kasse genommen haben. Die Fehlbeträge habe sie mit falschen Quittungen und Buchungen verschleiert. Den Jugendlichen der Wohngruppe habe sie Taschengeld zwar verbucht, aber nie ausbezahlt, sondern privat verwendet, heißt es weiter in der Anklageschrift. Bislang hat das Landgericht bis Mitte Mai mehrere Verhandlungstage geplant, möglicherweise werden aber weitere Prozesstermine für das komplexe Verfahren nötig sein.

lby

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