Haft: Pfahls Frau bricht nach Urteil zusammen

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Erneurt verurteilt: Ludwig-Holger Pfahls

Augsburg - Nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung vor sechs Jahren gab sich Ludwig-Holger Pfahls lange als mittellos aus. In Wahrheit besaß er Millionen. Nach dem Urteil bricht seine Frau zusammen.

Er wolle endlich reinen Tisch machen und dann nie wieder vor Gericht erscheinen müssen. Das hatte Ludwig-Holger Pfahls im Prozess um die systematische Verschleierung seines Vermögens beteuert. Auch kurz vor dem Urteil gab sich der Ex-Verteidigungsstaatssekretär geläutert. „Ich habe mich bemüht, die Wahrheit zu sagen“, erklärte er. Das Landgericht Augsburg verurteilte den 68-Jährigen dennoch zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren wegen Bankrotts und Betrugs.

Pfahls hatte sich jahrelang als mittellos ausgegeben, in Wirklichkeit aber über ein Millionenvermögen verfügt. „Geiz ist eben doch nicht geil, sondern auch strafbar“, sagte Richter Rudolf Weigell. Die Ehefrau des 68-Jährigen verurteilte er wegen Beihilfe zum Bankrott und Betrug zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Der Lobbyist Dieter Holzer erhielt eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, ebenfalls wegen Beihilfe zum Bankrott. Beide hatten gestanden, Pfahls bei der Verschleierung seines Vermögens geholfen zu haben. Dabei ging es unter anderem um eine Villa in Südfrankreich, die der 68-Jährige mit Holzers Hilfe an einen Strohmann verkaufte. Holzer bestritt bis zuletzt, gewusst zu haben, dass das Geld über Umwege an Pfahls gehen sollte. Die Konten seiner Ehefrau in der Schweiz, in Luxemburg und auf den Bahamas benutzte Pfahls, um Millionenbeträge zu verschieben. Die 41-Jährige zeigte sich vor Gericht einsichtig und beteuerte, nur im Sinne ihres Mannes gehandelt zu haben. „Ich schäme mich“, sagte die zierliche Frau. Bei der Urteilsverkündung brach sie zusammen. Pfahls stützte die Ohnmächtige, bis ein Arzt kam. Das Paar hatte zwei Jahre nach der ersten Verurteilung Pfahls’ wegen Steuerhinterziehung und Vorteilsannahme im Jahr 2007 geheiratet.

Der 68-Jährige war 1999 untergetaucht, nachdem im Zusammenhang mit dubiosen Rüstungsgeschäften des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen aufgekommen war. 2004 wurde Pfahls von Zielfahndern in Paris gefasst und 2005 in Augsburg verurteilt. Wenig später kam er frei, weil ihm die Untersuchungshaft angerechnet wurde. Nach seiner Entlassung zahlte Pfahls jedoch nicht die geforderten Prozesskosten und Steuern in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro, sondern legte einen Offenbarungseid ab. Er sei „arm wie eine Kirchenmaus“ und habe neben 65 Euro im Portemonnaie nur 570 Euro auf seinem Konto.

Laut Staatsanwaltschaft besaß er zu diesem Zeitpunkt jedoch rund fünf Millionen Euro. Die Ermittler kamen ihm erneut auf die Schliche – er leistete sich mit Hilfe seiner Strohmänner u.a. einen Luxus-Geländewagen und ein Anwesen im bayerischen Sengenthal. Im neuerlichen Prozess in Augsburg legte er dann ein umfängliches Geständnis ab. Pfahls offenbarte auch Auslandskonten, die nicht in der Anklageschrift zu finden waren und beglich seine Steuerschulden. 450 000 Euro hatte die Behörde bereits beschlagnahmt, 653 000 Euro zahlte Pfahls nach. Auch die 91 000 Euro Gerichtskosten für den ersten Prozess zahlte er. Eine Frage jedoch ließ der 68-Jährige bis zum Schluss offen: Woher hatte er rund 3,8 Millionen Mark, die er im Ausland versteckte? Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie vom Waffenlobbyisten Schreiber stammen. Pfahls wies diesen Vorwurf jedoch weit von sich. „Das stimmt absolut nicht“, sagte er.

Von Katia Rathsfeld

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