Reichenhall-Prozess: Gericht befragt angeklagten Gutachter

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Helfer decken im Januar 2006 in der eingestürtzten Eissporthalle in Bad Reichenhall den Sarg eines soeben gefundenen Verschütteten ab.

Traunstein - Fragen über Fragen zum Umfang einer Studie und erhebliche Wissenslücken einer früheren leitenden Mitarbeiterin bei der Stadt - in der Neuauflage des Prozesses um den Einsturz der Eislaufhalle von Bad Reichenhall geht es inzwischen um rein fachliche Details.

Der neue Prozess um die Schuldfrage beim verheerenden Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall ist am Dienstag mit der stundenlangen Vernehmung des angeklagten Gutachters fortgesetzt werden. Die Befragung drehte sich dabei ganz wesentlich um den Umfang der Studie, mit der der Bauingenieur von der Stadt als Halleneigentümerin beauftragt worden war. Er ist vor dem Landgericht Traunstein wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Bei der Vernehmung durch den Vorsitzenden Richter, die Staatsanwälte und Nebenkläger konnte der 58-Jährige den Widerspruch nicht vollständig auflösen, dass er dem Gebäude in seinem Papier 2003 einen “allgemein als gut zu bezeichnenden Zustand“ bescheinigte, obwohl diese grundsätzliche Beurteilung von ihm gar nicht verlangt worden war. Für die Bauverwaltung im Rathaus galt sie jedoch als eine Art Freibrief, nicht tätig werden zu müssen. Keine drei Jahre später - am 2. Januar 2006 - stürzte das Dach des mehr als 30 Jahre alten Gebäudes ein. 15 überwiegend junge Menschen kamen dabei ums Leben.

Der Angeklagte sprach immer wieder davon, lediglich mit einer Kostenermittlung für etwaige Sanierungsmaßnahmen beauftragt worden zu sein. Dafür bekam er von der Stadt ein Pauschalhonorar von 3000 Euro. Der Vorsitzende Richter hielt dem 58-Jährigen jedoch entgegen, den Baufachleuten in der Stadtverwaltung durchaus die Bereitschaft auch zu einer Begutachtung der Dachkonstruktion erklärt zu haben. Der Statiker beharrte aber darauf: “Ich sollte nur Teile begutachten.“ In erster Instanz war der 58-Jährige freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil jedoch Anfang 2010 und verwies den Fall zur erneuten Verhandlung ans Landgericht Traunstein zurück.

Am Nachmittag wurde die frühere Stadtbaudirektorin als Zeugin vernommen. Ihre häufigste Antwort auf Fragen des Gerichts war: “Ich weiß es nicht.“ Die 67-Jährige sagte aus, mit Einzelheiten der umstrittenen Kostenstudie nicht befasst gewesen zu sein. Die Details habe sie ihren Sachbearbeitern überlassen. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, sie müsse als Stadtbaudirektorin doch eine Erwartung an den Umfang der Studie gehabt haben, antwortete die Zeugin: “Ich hatte keine Erwartung, ich wollte nur ein Ergebnis.“ Die Ex-Beamtin machte mehrfach Erinnerungslücken geltend, was bei den Hinterbliebenen der Unglücksopfer als Nebenkläger für Kopfschütteln sorgte.

dpa

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