Riesen-Lkw auf A96 und A99?

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Neuralgischer Punkt: ein 25,25 Meter langer Lang-Lkw („Gigaliner“) am Kreisverkehr.

München – Ein schon lange angekündigter bundesweiter Feldversuch mit Riesen-Lkw nimmt offenbar Formen an. Bayern hat eine Anzahl von Unternehmen benannt, die Interesse haben – und auch Streckenvorschläge an Berlin geliefert.

Bis zu 25,25 Meter Länge und damit sieben Meter mehr als üblich messen die Lang-Lkw. Acht Bundesländer haben zugesagt, sich 2011 an einem Feldversuch zu beteiligen – neben Ländern wie Niedersachsen oder Hessen auch Bayern. Ursprünglich war von bis zu 60 Tonnen schweren Monster-Trucks die Rede, doch haben die Bundesländer eine Reduzierung auf bis zu 44 Tonnen durchgesetzt. Inzwischen ist wohl auch aus semantischen Gründen (Bundesverkehrsminister Ramsauer hasst englische Ausdrücke) statt vom Gigaliner vom Lang-Lkw die Rede.

Die Rahmenbedingungen für den Feldversuch erarbeitet derzeit eine Arbeitsgruppe im Bundesverkehrsministerium. Die Bundesländer entsenden Vertreter. Es gehe darum, die Fahrzeuge auf „möglichst langen Strecken einzusetzen“, sagt Sprecher Ingo Strater. Sinnvoll sei auch eine Nord-Süd-Verbindung „von den Häfen bis zur Alpenregion“. Mehrere hundert Unternehmer, so der Sprecher, haben Interesse bekundet, an dem Versuch teilzunehmen.

Dem Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) sind etwa sieben bis acht bayerischen Firmen bekannt – Spediteure, aber auch Industriebetriebe mit Werk-Verkehr, wie LBT-Hauptgeschäftsführer Sebastian Lechner sagt. Er bestätigt auch, dass sein Verband in Zusammenarbeit mit den Landesministerien konkrete Strecken benannt und gen Berlin geschickt hat. Die Lang-Lkw sollten „weitgehend auf dem Autobahnnetz“ erprobt werden. Lechner nennt als konkrete Beispiele eine Strecke vom Allgäu über die A 96 und die A 99-Nordumfahrung bis zum Umschlagbahnhof München-Riem. Eine zweite Route würde vom Allgäu über die A 9 zum Hafen Nürnberg führen, eine dritte vom Flughafen München zum Flughafen Frankfurt. „Diese Strecke wäre für den Umschlag von Luftfracht interessant“, sagt Lechner.

Allerdings sind das Vorschläge. Auf die Entscheidungen wartet der Logistik-Bundesverband BGL mittlerweile ungeduldig. „Es gibt niemanden, der uns wenigstens einmal Zwischenergebnisse zeigt“, klagt Hauptgeschäftsführer Karlheinz Schmidt. Ungeklärt sei neben der besonderen Kennzeichnung der Lang-Lkw zum Beispiel auch das Anforderungsprofil für die Fahrer – der ADAC fordert neben einer Sonderschulung auch, diese dürften nicht mehr als drei Punkte in Flensburg haben. Aber auch Schmidt rechnet damit, dass sich der Feldversuch nicht etwa auf einzelne Strecken in Deutschland beschränken wird. Vielmehr sei davon auszugehen, dass mit einigen Ausnahmen das gesamte Bundesfernstraßennetz benutzt werden könne – also neben Autobahnen auch Bundesstraßen. Allerdings müssten alle Straßen zuvor einzeln geprüft werden, „damit auf einem Kreisverkehr nicht etwa ein Blumentopf umgemäht wird“, wie Schmidt witzelt. Außerdem seien Absprachen mit Städten unumgänglich – „die letzten Meter zu einem Logistikzentrum müssen ja immer auf einem kommunalen Netz zurückgelegt werden“. Bekannt ist jetzt immerhin, wie lange der Feldversuch dauern wird: laut Bundesverkehrsministerium fünf Jahre – nur dann rechne sich für die Unternehmen der Kauf eines XXL-Fahrzeugs.

Während Kritiker von einem Sicherheitsrisiko sprechen und auch eine Güter-Verlagerung von der Schiene auf die Straße befürchten, stellen TÜV Rheinland und TÜV Nord den XXL-Lastern den Persilschein aus. Sie könnten „technisch sicher und verkehrstechnisch gefahrlos betrieben werden“, heißt es laut „Financial Times Deutschland“ in einem Abschlussbericht. Beim Versuch in Nordrhein-Westfalen zwischen 2005 und 2007 sei es bei 1,7 Millionen Testkilometern zu keinem Unfall gekommen. NRW ist nach dem Regierungswechsel nun aber gegen weitere XXL-Versuche.

Dirk Walter

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