Schechen-Prozess geht weiter

Sieht so ein Routine-Einsatz der Polizei aus? Dieses Foto machte Aloisia E. Ein Beamter löschte es, das Bild konnte aber wiederhergestellt werden.

Rosenheim - Zwei Wochen war der Prozess gegen eine Familie wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte unterbrochen. Am Freitag wird das Verfahren um den umstrittenen Polizeieinsatz fortgesetzt.

Die Verteidiger der vier Angeklagten hatten zu Prozessbeginn die Einstellung des Verfahrens beantragt. Der Grundsatz eines fairen Verfahrens sei missachtet worden, denn die Ermittlungen seien „parteiisch“ geführt worden. Die Rosenheimer Polizei habe gegen sich selbst ermittelt. Die Staatsanwaltschaft will am Freitag zu dem Antrag Stellung nehmen. Danach muss der Amtsrichter entscheiden, ob er in die Beweisaufnahme einsteigt oder das Verfahren einstellt. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, da gegen Beteiligte anonyme Morddrohungen ausgesprochen worden waren.

Pikant an dem Fall: Der angeklagte Ehemann und Familienvater ist selbst pensionierter Polizeibeamter, der noch heute Kontakt zu aktiven Kollegen pflegt. Bei dem Einsatz vom Herbst 2010 sollte ein Mann, der einst Mieter im Wohnhaus des Ex-Polizisten war, zu einer psychiatrischen Untersuchung abgeholt werden. Doch der Gesuchte war längt weggezogen. Also befragte die Zivilstreife die Tochter des Ex-Polizisten nach dem Verbleib des Mannes. Laut Anklageschrift gab sich die 36-Jährige jedoch „unkooperativ“, es kam zum Streit um Dienstausweis des Beamten und Ausweis der Frau.

Die Streife holte Verstärkung, die anderen Familienmitglieder traten hinzu. Am Ende war einer der Polizisten am Arm verletzt, drei zu Boden gerungene Mitglieder der Familie mussten im Krankenhaus behandelt werden. Sowohl die Polizisten als auch die Familie erstatteten Anzeige. Die Staatsanwaltschaft klagte schließlich die Familie an und stellte das Verfahren gegen die Beamten vorläufig ein. Sie sieht die Ursache für die Eskalation in rabiatem Verhalten der Angeklagten, die Familie spricht dagegen von Polizeiwillkür. Sollte der Prozess fortgeführt werden, ist mit einem Urteil nicht vor Mitte Mai zu rechnen. Bis dahin sollen 20 Zeugen vernommen und mehrere medizinische Gutachter gehört werden.

dpa

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