"Ein Inferno mit unbändiger Kraft“

Seehofer in Simbach: Erschüttert von der Zerstörungswucht

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Horst Seehofer besuchte das Überschwemmungsgebiet.

Simbach am Inn - Horst Seehofer watet in Gummistiefeln durch den Schlamm in Simbach am Inn. Er ist erschüttert vom Ausmaß der Schäden und verspricht unkomplizierte und umfangreiche Hilfen. Derweil warten die Menschen stundenlang auf das Sofortgeld.

Horst Seehofer steckt die graue Anzughose in die nagelneuen Gummistiefel. Er macht sich ein Bild von der Zerstörungswucht der Flutwelle in Simbach am Inn. Er ist erschüttert, schüttelt immer nur ungläubig mit dem Kopf. „Ein solches Inferno, ausgelöst durch eine unbändige Naturgewalt, muss man gesehen haben, um es zu verstehen“, sagt er.

Sieben Todesopfer hat die Flutwelle im Landkreis Rottal-Inn gefordert. Die Menschen hatte keine Chance gegen das rasend schnelle Wasser. Seehofer spricht nach seinem Rundgang durch Simbach das aus, was viele hier im Hinterkopf haben, angesichts der Zerstörungsgewalt. „Hätte dieses Inferno zu nächtlicher Stunde stattgefunden, ich möchte es nicht aussprechen.“

Der Gang durch die Straße und die Gespräche mit Betroffenen und Helfern habe ihm aber auch gezeigt, wie engagiert und solidarisch die Bevölkerung ist. Seehofer muss sich dennoch Kritik anhören. Ein zorniger Anwohner, der in einem Monat ein Geschäft eröffnen wollte und nun vor den Trümmern seiner Existenz steht, schimpft über die aus seiner Sicht unkoordinierten Aufräumarbeiten: „Jedes Bierfest in Österreich und Deutschland ist besser organisiert als das hier.“ Er fordert vehement den Einsatz der Bundeswehr. Seehofer verspricht ihm: „Das nehme ich mit.“

Der Landrat von Rottal-Inn Michael Fahmüller (CSU) reagiert am Sonntag auf die Kritik. „Um auch in den kommenden Tagen die wichtigen Aufräumarbeiten sicherstellen zu können, werden wir das Angebot der Bundeswehr, uns hier mit Soldaten zu unterstützen, gerne nutzen“, sagt er. Ab Montag sollen 100 Soldaten die Arbeiten unterstützen.

Überall wo am Samstagnachmittag der Tross mit Seehofer, der an die hundert Menschen umfasst, vorbeikommt, steht die Arbeit für einige Minuten still. Der Ministerpräsident nimmt sich Zeit für die Betroffenen und verspricht ihnen unter Anspielung auf das seit Freitag ausgezahlte Sofortgeld: „Wir wissen auch, dass man die Katastrophe nicht mit 1500 Euro beantworten kann.“ Später betont er, dass die Staatsregierung sich „bei den zusätzlichen Mitteln an das Jahrhunderthochwasser 2013 anlehnen“ werde. Damals hatte es Härtefallregelungen und Bundesprogramme in dreistelliger Millionenhöhe gegeben.

Nach neuen Schätzung des zuständigen Landratsamtes hat die Flutwelle einen Schaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. 5000 Haushalte sind betroffen, 500 Häuser schwer beschädigt, zweihundert Brücken zerstört, ganze Straßenzüge komplett weggespült, Hunderte Fahrzeuge haben Totalschaden erlitten und viele Wirtschaftsbetriebe sind in ihrer Existenz bedroht.

Derweil holen die Menschen in Simbach seit Samstag die Soforthilfe in ihrem Rathaus ab. „Alles was im Keller stand, ist kaputt: Heizung, Waschmaschine und das ganze Werkzeug meines Sohnes“, sagt Liselotte Erber. Die 74-Jährige sitzt seit sechs Uhr am Morgen erschöpft auf einem Stuhl im Rathaus Simbach am Inn. Eineinhalb Stunden wartet sie schon auf das Sofortgeld in Höhe von 1500 Euro. Obwohl der Schaden an ihrem Haus in die Zehntausende Euro geht, will sie das Geld nicht für sich behalten. „Davon bekommen die vielen Helfer etwas. Die haben stundenlang Müll und Schlamm rausgebracht. Ich hätte das alleine doch gar nicht geschafft.“

Am Morgen beträgt die Wartezeit für die Auszahlung schon bis zu fünf Stunden, obwohl rund ein Dutzend Rathaus-Mitarbeiter im Einsatz sind. Bis zum Mittag haben nach Angaben des Bürgermeisters bereits an die 1000 Menschen die Auszahlung beantragt. Auf einer Tafel stehen die Abholzeiten neben den Aufrufnummern, die die Betroffenen zuvor gezogen haben. Ein Mann, der um 8.15 Uhr gekommen ist, bekommt sein Geld um 13.30 Uhr. Am Nachmittag sind die Auszahlungstermine bereits auf Sonntag terminiert. Bis Samstagabend wurden im Landkreis rund 3,5 Millionen Euro ausgezahlt.

Roman Käser dauert die Warterei zu lange. „Ich werde meine Kinder zum Geldabholen schicken. Ich muss zum Haus, die Feuerwehr kommt gleich und pumpt das Wasser raus.“ Er schätzt den Schaden bei sich auf 100.000 Euro. Auch er will das Geld nicht für sich: „Damit unterstütze ich meinen Mieter. Der kann es besser gebrauchen.“

dpa

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