Solar Millennium: Kraftwerke sollen fertiggebaut werden

Erlangen - Die Pleitefirma Solar Millennium hat ein großes Rad gedreht. Beschäftigte und viele Anleger des Skandalunternehmens bangen nach der Insolvenz um ihr Geld. Angefangene Kraftwerke sollen aber zu Ende gebaut werden.

Das Schicksal des pleitegegangenen Sonnenkraftwerksbauers Solar Millennium liegt in den Händen des vorläufigen Insolvenzverwalters Volker Böhm. Der Rechtsanwalt, der unter anderem den Porzellanhersteller Rosenthal gerettet hat, habe grünes Licht für eine vorläufige Fortführung des Betriebs gegeben, sagte eine Sprecherin von Solar Millennium. Er prüfe nun vor allem, welche Projekte eine Zukunft haben und welche Auswirkung die Pleite auf angeworbene Anlagegelder habe. Die Erlanger Firma selbst stellt nur Teile der in Kraftwerken eingesetzten Solartechnik her und fungiert vor allem als Kapitalsammelstelle für solche Milliardenprojekte. Von den gut 300 Beschäftigten sind derzeit rund 60 von der Insolvenz betroffen.

Folgeinsolvenzen von Tochterfirmen seien aber möglich, sagte eine Firmensprecherin. In jedem Fall betroffen von der Pleite seien neben den Aktionären die Gläubiger von fünf Firmenanleihen über insgesamt 226 Millionen Euro. Unklar sei dagegen, was Zeichner der Solarkraftwerksfonds Ibersol und Andasol zu befürchten haben. In ihnen stecken weitere gut 54 Millionen Euro, die sich auf private Klein- und Großanleger verteilen. Die Gelder liegen zwar auf einem Treuhandkonto. Ob Böhm aber darauf Zugriff bekommt, wird gerade geprüft.

Solar Millennium ist ein kleiner Mittelständler, der zum Halbjahr 2011 gerade einmal elf Millionen Euro umgesetzt, aber dennoch ein großes Rad gedreht hat. Die drei spanischen Andasol-Kraftwerke, die bereits fertiggestellt sind und eine halbe Million Menschen mit Sonnenstrom versorgen, addieren sich auf ein Investitionsvolumen in Milliardenhöhe. In den USA wollten die Erlanger das weltgrößte Solarkraftwerk mit 2,25 Gigawatt Leistung bauen, der Kapazität großer Kernkraftwerke.

Eine Baustelle ist noch das neue spanische Sonnenkraftwerksprojekt Ibersol, das bis 2013 fertiggestellt sein sollte. Hier wurde das Einwerben der nötigen Investitionssumme von der Pleite rüde gestoppt. Das Kraftwerk droht eine Bauruine zu werden, weil hier Zeit ein wichtiger Faktor ist. Spanien zahlt dafür nur eine garantierte Einspeisevergütung, wenn bis Ende 2013 Sonnenstrom fließt.

Anleger und Beschäftigte, des in der Spitze einmal mit einer halben Milliarde Euro bewerteten Unternehmens, sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Die 1998 gegründete Solar Millennium galt einmal als aufsteigender Stern am Himmel der Solarindustrie. In den letzten Jahren hat das Unternehmen aber vor allem wegen Skandalen die Schlagzeilen beherrscht. Zugleich geriet die Solarthermie, das Spezialgebiet von Solar Millennium, immer mehr ins Hintertreffen gegenüber der solaren Alternativtechnik Fotovoltaik. Zum Halbjahr stand bei den Erlangern ein Verlust von gut 44 Millionen Euro zu Buche, das Vierfache der Umsätze. Der Notverkauf eines US-Solarprojekts hätte die Pleite noch verhindern sollen. Der kam aber nicht mehr rechtzeitig zustande.

von Thomas Magenheim-Hörmann

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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