Mehr bayerische Schüler fallen durchs Abi

München - 36 000 Gymnasiasten sind dieses Jahr zu den Abiturprüfungen angetreten - nicht alle erfolgreich: 3,7 Prozent fielen am Ende durch.

Bei den diesjährigen Abiturprüfungen in Bayern sind 3,7 Prozent der Prüflinge durchgefallen. Das sind etwas mehr als im vergangenen Jahr, als die Quote bei knapp drei Prozent lag. Das berichtete Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch in der Kabinettssitzung in München. Er zeigte sich dennoch zufrieden: Die Ergebnisse lägen im „erwarteten Korridor“, sagte Spaenle. Der Notendurchschnitt der Abiturergebnisse liegt demnach in diesem Jahr bei 2,33 - im vergangenen Jahr war der Schnitt mit 2,27 etwas besser.

Spaenle griff - ohne ihn namentlich zu nennen - den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) scharf an, der vergangene Woche von einer Durchfallquote von mehr als zehn Prozent gesprochen hatte. „Niemand kann diese Horrorzahlen nachvollziehen“, sagte er und sprach von einer „offensichtlichen Missachtung der Fakten“. Die tatsächlichen Ergebnisse zeigten, dass die Zahlen des BLLV „aus der Fantasie gegriffen“ gewesen seien. „Die prognostizierten Horrormeldungen sind in keiner Weise nachvollziehbar“, sagte Spaenle. Es sei unverantwortlich gewesen, die Schüler, die zu diesem Zeitpunkt noch in den Prüfungen steckten, damit zu verunsichern.

Neue "Kultur des Mündlichen"

Tatsächlich nahmen in diesem Jahr 16 Prozent der Abiturienten an den zusätzlichen mündlichen Prüfungen teil - so viele wie im vergangenen Jahr auch. Die Hälfte davon absolvierte die mündlichen Prüfungen freiwillig, die andere Hälfte musste in die Nachprüfung.

Spaenle sprach von einer neuen „Kultur des Mündlichen“. Mündliche Leistungen würden bei den Abiturprüfungen stärker gewichtet, erklärte er - damit trage man der Arbeitswelt von heute Rechnung.

Insgesamt nahmen in diesem Jahr rund 36 000 Abiturienten an den Abiturprüfungen teil - das sind 20 Prozent mehr als im Vorjahr, als die ersten Schüler des neuen achtjährigen Gymnasiums Abitur machten.

Rund ein Drittel der Schüler habe bei den Prüfungen im Frühjahr gute und sehr gute Ergebnisse erzielt, sagte Spaenle. Er musste aber auch einräumen, dass es dieses Jahr erneut eine größere Spreizung zwischen sehr guten und sehr schlechten Abiturergebnissen gibt.

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Trotzt anhaltender Kritik aus verschiedenen Richtungen lehnte Spaenle eine grundlegende Reform des neuen G8 strikt ab. Eine Veränderung am pädagogischen Konzept des achtjährigen Gymnasiums sei der falsche Weg.

Herbe Kritik kam erneut vom BLLV. „Solange sich Kultusminister Spaenle hartnäckig verweigert, das achtjährige Gymnasium grundlegend zu reformieren, wird diese Schulart nicht zur Ruhe kommen“, kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. „Wer mit Zahlen über bestandene oder nicht bestandene Prüfungen hausieren gehen muss und ständig gezwungen ist, eine Schulpolitik zu verteidigen, die Lehrer, Schüler und Eltern immer wieder in Frage stellen, verkennt die Not der Betroffenen oder setzt sich über sie hinweg“, klagte er. Wenn Spaenle allerdings nicht bald die Reißleine ziehe, dann sei „die Qualität des Gymnasiums in Bayern ernsthaft gefährdet“.

dpa

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