Sex-Täter hatte noch mehr Frauen im Visier  

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Mit diesem Fahndungsfoto im Hintergrund suchte die Polizei nach Bernd S. Im Bild Oberstaatsanwältin Antje Gabriel-Gorsolke und Kriminaldirektor Thilo Bachmann.

Nürnberg - Dem Sex-Täter von Nürnberg, der im Herbst mit seinem Opfer durch ganz Deutschland flüchtete, wird der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Hätte die Polizei Bernd S. nicht zufällig geschnappt, hätte er wieder zugeschlagen.

Er hatte sieben weitere Frauen belauert.

Dieser Fall hat im vergangenen Herbst ganz Deutschland entsetzt. Bernd S., die Sex-Bestie, der Sadist, der Vergewaltiger, auf der Flucht vor der Polizei. In seiner Gewalt: eine junge Frau, die er mehrfach missbraucht. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth Anklage erhoben. Der 49-jährige Franke muss sich wegen Vergewaltigung in mehreren Fällen, Geiselnahme und Erpressung verantworten.

Tagelang jagten die Beamten den korpulenten Dunkelhaarigen. S. ist damals 48 Jahre alt. Schon Mitte der 80er Jahre sitzt er wegen einer Vergewaltigung fünf Jahre im Gefängnis. 2001 schlägt er wieder zu. Er bricht das Auto einer Nürnbergerin auf, klaut den Schlüssel und lauert der Frau in ihrer eigenen Wohnung auf. Er fesselt sie, quält sie mit Folterwerkzeugen. Wegen schwerer sexueller Nötigung muss er weitere fünf Jahre hinter Gitter, danach in die Psychiatrie.

2009 darf er raus – drei Gutachter bescheinigen seine angebliche Ungefährlichkeit. Brav hält S. sich an seine Auflagen, geht regelmäßig zur Therapie. Dann aber ändert sich sein Verhalten. Später stellt sich heraus, dass die Polizei aus seinem familiären Umfeld Hinweise bekommt: „Bernd verhält sich komisch.“ So wie damals, kurz bevor er seine zweite Tat beging. Doch die Beamten reagieren nicht, die Verwandten erheben später schwere Vorwürfe. Tatsächlich geht S. nicht mehr zu den Psychologen. Die Erlanger Klinik informiert den Bewährungshelfer, der schließlich die Polizei. Doch bevor der Antrag fertig ist, die Bewährung rückgängig zu machen, schnappt sich S. sein nächstes Opfer. Auf einem Parkplatz in Nürnberg-Langwasser vergewaltigt er eine 20-Jährige. Danach beginnt eine Flucht, die ihn sieben Tage durch die gesamte Bundesrepublik führt.

Bernd S. hinterlässt Spuren. Er haut mit seinem eigenen Auto ab, bald sieht eine Zeugin den Ford – abgestellt auf einem Parkplatz im Nürnberger Land. Doch bevor die heiße Spur die Polizei zum Fahndungserfolg führt, bringt Bernd S. ein weiteres Opfer in seine Gewalt. In Neumarkt in der Oberpfalz lungert er vor der Klinik herum, er passt eine 22-jährige Krankenschwester ab und entführt sie in ihrem Auto. Die Fahndung wird zur regelrechten Jagd, die Polizei ist immer einen Schritt hinterher: In Nordbayern wird er fotografiert, als er vom Konto des 22-jährigen Opfers 1000 Euro abhebt. Kurze Zeit später taucht er bei Flensburg auf. Dort kann sich wenigstens die junge Frau befreien – sie täuscht einen Schwächeanfall vor, Passanten rufen die Polizei, weil Bernd S. ihnen seltsam vorkommt. Doch S. wittert die Gefahr, er flüchtet mit dem Auto der jungen Frau.

Dann, endlich: Am 19. Oktober 2010, nach sieben Tagen Flucht, fasst die Polizei Bernd S. Er treibt sich schon wieder auf einem Klinik-Parkplatz herum – auf der Suche nach einem weiteren Opfer? Fest steht, das teilte die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gestern mit, dass er seit August 2010 insgesamt sieben Frauen ausgespäht hatte. S. brach ihre Autos auf, klaute persönliche Gegenstände – „um mehr über die Fahrzeughalterinnen zu erfahren und diese eventuell später ebenfalls sexuell zu missbrauchen“, so Oberstaatsanwältin Antje Gabriel-Gorsolke.

Die Anklage geht davon aus, dass Bernd S. voll schuldfähig ist. Er ist geständig. Nebenkläger sind die zwei jungen Frauen, die beide schwer traumatisiert sind.

Carina Lechner

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