Aktuelle Zahlen aus dem Innenministerium

Statistik: Flüchtlinge machen Bayern nicht unsicherer

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In Bayern lebt es sich heute sicherer als noch vor 10 Jahren, das belegen die Zahlen des Innenministeriums.

München - Die hohe Zahl der Flüchtlinge schürt Kriminalitätsängste. Doch tatsächlich lebt es sich heute in Bayern sicherer als vor zehn Jahren. Das belegen neueste Zahlen des Innenministeriums.

Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen in der Bevölkerung hat der große Zustrom an Flüchtlingen nicht zu einem Anstieg der Kriminalität in Bayern geführt. Das geht aus den Zahlen des Innenministeriums in München hervor. Zieht man die vielen Ermittlungsverfahren wegen unerlaubter Einreise ab, ist die Gesamtkriminalität in Bayern 2015 sogar gesunken - und zwar sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im langjährigen Trend.

Gemessen am bayerischen Kriminalitätsdurchschnitt lässt die Polizeistatistik allerdings auch vermuten, dass entweder Flüchtlinge im Vergleich zum Anteil an der Bevölkerung überproportional häufig straffällig werden - oder die Polizei häufiger einschreitet.

So zählte die Polizei im vergangenen Jahr im Freistaat insgesamt 5639 Fälle von „Roheitsdelikten“, bei denen Asylbewerber, Flüchtlinge oder ohne gültige Papiere eingereiste Ausländer tatverdächtig waren. „Roheitsdelikte“ sind im Fachjargon der Sicherheitsbehörden Gewalttaten, Raub oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Entführung oder Geiselnahme.

Diese Zahlen veröffentlicht das Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf Anfrage. Insgesamt zählte die bayerische Polizei im vergangenen Jahr 96.602 „Roheitsdelikte“. Der Anteil der Flüchtlinge an diesen Straftaten lag bei 5,8 Prozent - höher als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung.

In 80 Prozent der Fälle sind andere Flüchtlinge die Opfer

Doch die einheimische Bevölkerung bekam davon sehr wenig zu spüren. Denn in knapp 80 Prozent der Fälle waren andere Ausländer die Opfer, mutmaßlich größtenteils andere Flüchtlinge. Häufig handelt es um Streitereien in den Unterkünften.

Ein besonders heikles Thema sind seit der Silvesternacht in Köln Sexualdelikte. Auch in diesem Bereich legt die Statistik nahe, dass Flüchtlinge überrepräsentiert sind: Von insgesamt 4309 erfassten Tatverdächtigen waren 298 Flüchtlinge, ein Anteil von fast sieben Prozent.

Doch bislang ist keineswegs gesichert, dass Flüchtlinge tatsächlich krimineller sind als die Einheimischen. In Bayern wurden im vergangenen Jahr exakt 461.302 Menschen einer Straftat beschuldigt, das würde 3,6 Prozent der Einwohner entsprechen. Doch tatsächlich ist der Prozentsatz der kriminellen Bevölkerung sehr viel niedriger.

Die Statistik hat Tücken

Denn die statistische Tücke liegt darin, dass unter diesen Tatverdächtigen auch über 200.000 Fälle so genannter „illegaler Einreise“ enthalten sind - also eben die Flüchtlinge und Asylbewerber, die zum allergrößten Teil ohne Visum nach Deutschland kommen.

Damit machten sie sich formell einer Straftat schuldig, auch wenn die Staatsanwaltschaften die Masse der entsprechenden Ermittlungsverfahren wegen Geringfügigkeit umstandslos einstellen.

Die Fachleute in Polizei und Innenministerium rechnen zwar für die Gesamtbevölkerung die sogenannte „Tatverdächtigenbelastungszahl“ aus - in Fachkreisen als „TVBZ“ bekannt - nicht aber für Flüchtlinge.

„Eine valide Berechnung und damit eine valide Gegenüberstellung der TVBZ für Zuwanderer mit der TVBZ für nichtdeutsche bzw. deutsche Tatverdächtige ist aktuell nicht möglich“, ließen die Ministerialen den SPD-Politiker Peter Paul Gantzer auf eine entsprechende Frage wissen.

Kriminalität insgesamt sinkt

Ganz klar ist jedoch der langjährige Trend bei der Kriminalität - und der weist trotz der hohen Zuwanderung ganz eindeutig nach unten. Die Bevölkerung Bayerns ist in den vergangenen zehn Jahren gewachsen, schon vor dem Anstieg der Asylbewerberzahlen.

Doch zieht man die massenhaften Fälle unerlaubter Einreise ab, ist die Kriminalität in Bayern trotz gestiegener Einwohnerzahlen im Vergleich zum Jahr 2006 um fast neun Prozent kräftig gesunken. Es gab 2015 über 2700 Gewalttaten weniger als 2006, weniger Vergewaltigungen, weniger Raubüberfälle. Bayern ist laut der Statistik also sicherer und nicht unsicherer geworden.

dpa

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