Ausnahmezustand im Erdinger Moos

Super-Streik am Flughafen: "So viele hatten wir noch nie"

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Hört die Signale – lautstark wirbt dieser Flughafen-Beschäftigte bei einer Kundgebung am Flughafen München für die Verdi-Forderungen.

München – Der Warnstreik von Verdi hat den Flughafen München gestern hart getroffen. Das hängt auch mit einem Sonderfall zusammen.

Der Versammlungssaal im Airbräu ist knallvoll. Überall Flughafen-Leute mit übergehängten gelben Westen von Verdi, vereinzelt auch mit blauen der Konkurrenzorganisation GöD (Gewerkschaft öffentlicher Dienst), die bei den Tarifverhandlungen mit Verdi an einem Strang zieht. Vor der Verhandlungssrunde für den öffentlichen Dienst sind 550 Flughafen-Beschäftigte in den Ausstand getreten – das reicht, um den Flughafen fast lahm zu legen. Annulliert – das steht fast bei jedem Flug auf den Anzeigetafeln im Terminal 2. 743 der 1143 Flüge fallen aus.

Unter den Streikenden sind auch 250 Luftsicherheitsbeauftragte der Sicherheitsgesellschaft München (SGM). Es ist das erste Mal, dass die SGM-Beschäftigten streiken, sagt der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner. „Ich bin hoch zufrieden, so viele Streikende hatten wir noch nie am Flughafen.“ München sei der Flughafen, den der Verdi-Streik am härtesten treffe.

Hanne Kristine Andreassen mit Hund „Sepp“ will heim nach Tromsø in Norwegen. Doch der Flug mit der SAS ist gestrichen. „Ich wusste vom Streik nichts“, sagt sie. Jetzt hofft sie, dass sie umgebucht wird. „Im schlimmsten Fall müsste ich noch eine Nacht in München bleiben – mit Hund ist die Quartiersuche aber immer schwierig.“

Die SGM ist ein staatliches Unternehmen, das für die Passagier-Kontrollen zuständig ist. Seit Monaten klagen die Mitarbeiter über gesundheitliche Probleme durch Ausdünstungen, die die Sprengstoffsuchgeräte emittieren sollen. Das ist im Airbräu an diesem Mittwoch Gesprächsstoff. Etliche Mitarbeiter waren Monate krank geschrieben, manchen werde jetzt durch Einmalzahlungen der Weggang aus dem Betrieb nahegelegt, heißt es. Die offiziellen Verdi-Forderungen nach mehr Gehalt und einer höheren Ausbildungsvergütung interessiert die SGM-Belegschaft nur am Rande. „Es geht uns nicht um die sechs Prozent mehr Lohn“, bekennt ein SGM-Kontrolleur. Sondern darum, dass die Unternehmensleitung die Probleme bagatellisiere. „Die nehmen uns einfach nicht ernst“, bestätigt Josef Winderl, Vertrauensleutesprecher der SGM. Die Forderung sei aber klar: Die umstrittenen Geräte müssten in einen separaten Raum mit Luftabsauganlage – sie dürften nicht an den Personenschleusen stehen.

Caroline Tartas mit den Töchtern Chloe und Valentine. Die Familie kommt vom Urlaub aus der Dominikanischen Republik. „Wir wollen heim nach Zürich“, sagt Vincent Tartas (nicht im Bild). Doch der Flug wurde annulliert. Stattdessen wurde die Familie nach Luxemburg umgebucht – von dort soll es einen Anschlussflug nach Zürich geben.

Empfindlich getroffen wurde der Flughafen auch durch den Streik weiterer Berufsgruppen. So trat neben den Flugzeugabfertigern die Werksfeuerwehr für eine Stunde in den Ausstand – woraufhin eine Nord-Landebahn stillgelegt werden musste. Auch die Gebäudefeuerwehr streikte – unter Applaus fuhr sie mit vier Blaulicht-Fahrzeugen ins Airport Center. Die Funktionsfähigkeit des Flughafens werde aber durch eine Notdienstvereinbarung aufrecht erhalten, sagt Flughafen-Sprecher Hans-Joachim Bues. Während die meisten deutsch-sprachigen Passagiere vom Streik vorab informiert waren und den Flughafen deshalb mieden, strandeten immer wieder Reisegruppen aus dem Ausland in den Terminals. Vor den Lufthansa-Schaltern bildeten sich Schlangen – auf der Suche nach Anschlussflügen. Auch Bayern-Fans auf dem Weg nach Madrid hatten mit dem Streik zu kämpfen – sie wurden per Bus nach Nürnberg gefahren, wo ein Flieger bereitstand.

Nur vereinzelt finden am Mittwoch Flüge statt – Moskau, Washington oder auch Bremen. Bremen? „Welche Flüge stattfinden, entscheiden die Fluggesellschaften selbst“, sagt Flughafen-Sprecher Bues. Dabei komme es manchmal nicht auf das Reiseziel an, sondern darauf, dass das Flugzeug am nächsten Tag am richtigen Flughafen stationiert sei.

Dirk Walter

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