Motiv weiter unklar

Todesfahrer von Regensburg sagt kein Wort

+
Ein völlig demolierter Sportwagen steht am 01.08.2013 in Regensburg (Bayern) im Eingang einer Wäscherei. Bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei ist das Auto in das Geschäft gefahren. Mehrere Menschen wurden bei dem Unfall verletzt, ein fünfjähriges Mädchen starb.

Regensburg - Auch zwei Wochen nach seiner irren Amokfahrt durch Regensburg, bei der ein fünfjähriges Mädchen ums Leben kam, schweigt der Autofahrer beharrlich. Sein Motiv ist deshalb weiter unklar.

Gut zwei Wochen nach der tödlichen Raserei in Regensburg, bei der ein fünfjähriges Mädchen getötet wurde, schweigt der Tatverdächtige noch immer. "Der Mann macht keinerlei Angaben zu den Vorwürfen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wolfhard Meindl, der Nachrichtenagentur dpa. Damit ist das Motiv für die schreckliche Tragödie nach wie vor unklar.

Der 46-Jährige war Anfang August mit seinem Sportwagen durch die Domstadt gerast, hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen und mehrere Menschen verletzt. Letztlich endete die irrsinnige Fahrt im Schaufenster eines Waschsalons. Dort erfasste das Fahrzeug zwei kleine Mädchen. Die Fünfjährige starb später im Krankenhaus, die drei Jahre alte Schwester überlebte schwer verletzt. Sie konnte inzwischen das Krankenhaus verlassen.

"...Mann (...) schuldunfähig oder zumindest eingeschränkt schuldfähig..."

Etwa eine Stunde lang habe der 46-Jährige die Polizei und die Passanten in Regensburg in Atem gehalten, erläuterte Meindl. Der Todesfahrer hatte psychische Probleme und sich zuvor freiwillig in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen. Am Abend vor der Todesfahrt hatte er die Klinik in Absprache mit seinem Arzt verlassen.

Bei der Raserei in Regensburg stand der Fahrer nach Angaben der Polizei nicht unter Alkoholeinfluss. Ob der 46 Jahre alte Fahrer Medikamente oder Betäubungsmittel eingenommen hatte, solle bei einer chemisch-toxikologischen Untersuchung geklärt werden. Dieses Ergebnis wird in etwa drei Wochen erwartet.

Nach der tödlichen Irrfahrt wurde der Mann mit einem Unterbringungsbefehl in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Gegen ihn wird wegen Totschlags ermittelt. „Wir gehen derzeit davon aus, dass der Mann zum Tatzeitpunkt schuldunfähig oder zumindest eingeschränkt schuldfähig war“, sagte Oberstaatsanwalt Meindl. Ein Gutachter solle den Mann untersuchen.

Dramatische Verfolgungsjagd in Regensburg

Dramatische Verfolgungsjagd in Regensburg

Vorwürfe, die Polizei habe sich mit dem 46-Jährigen eine wilde Verfolgungsjagd geliefert und ihn in die Enge getrieben, wies die Staatsanwaltschaft zurück. „Nach derzeitigem Stand gab es kein Fehlverhalten der Polizei“, betonte Meindl. Mehrfach hätten die Streifenwagenbesatzungen den Blickkontakt zu dem flüchtenden Fahrzeug verloren. Zudem hätten mehrere Passanten ausgesagt, dass die Polizei mehrere Sekunden Abstand gehalten hatte. „Nicht die Polizei hat ihn gehetzt, sondern der Mann hat die Polizisten gezogen“, sagte Meindl.

Begonnen hatte die Irrfahrt, nachdem sich der Mann in voller Kleidung in dem Brunnen eines Stadtparks gebadet hatte. Laut eines Zeugen setzte er sich anschließend in den Wagen und raste davon. Mit Tempo 120 überfuhr er rote Ampeln, raste in falscher Richtung durch Einbahnstraßen, über Rad- und Gehwege, durchquerte eine Baustelle und fuhr einem Landschaftgärtner über den Fuß. Eine Radfahrerin konnte sich nur mit einem beherzten Sprung retten.

"Beamten hatten keine andere Möglichkeit, als die Verfolgung aufzunehmen"

Auf Höhe des Hauptbahnhofes fuhr der 46-Jährige gar auf einen Streifenwagen auf. „Als der Beamte versuchte, durch das Fenster den Schlüssel abzuziehen, fuhr der Mann wieder los“, schilderte Oberstaatsanwalt Meindl. Nur um wenige Zentimeter wurde der Beamte von dem Sportwagen verfehlt. Wenig später war er einem quergestellten Streifenwagen über den Fußweg ausgewichen. „Die Beamten hatten in diesem Fall gar keine andere Möglichkeit, als die Verfolgung aufzunehmen“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Stefan Hartl.

dpa

Meistgelesene Artikel

Mann (56) erfasst Bub beim Einparken

Illertissen - Mit schweren Verletzungen wurde ein zehn Jahre alter Bub in eine Klinik gebracht. Ein 56-Jähriger hatte ihn auf einem Gehweg angefahren.
Mann (56) erfasst Bub beim Einparken

Kreditkartenbetrug: Drei Festnahmen in München und Eching

München - Zugfahrkarten im Wert von 30 000 Euro sollen drei Männer in München und Eching gekauft haben - mit geklauten Kreditkartendaten.
Kreditkartenbetrug: Drei Festnahmen in München und Eching

Immer mehr Grippe-Kranke in Bayern - Impfung empfohlen

München - In Bayern steigt die Zahl der an Grippe erkrankten Menschen weiter. Die Gesundheitsministerin legt den Menschen ans Herz, sich impfen zu …
Immer mehr Grippe-Kranke in Bayern - Impfung empfohlen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion