Vater: Martyrium hat Leben der Tochter ruiniert

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Ein 49-Jähriger hatte 2010 eine 20-Jährige entführt und vergewaltigt.

Nürnberg - Seine Tochter war zwei Stunden in der Gewalt eines Kidnappers. Nun sagte der Vater aus. An ein normales Leben seines Kindes sei nicht mehr zu denken. Die erschütternde Schilderung:

Sie wurde im Oktober 2010 auf einem Nürnberger Pendlerparkplatz brutal gekidnappt und vergewaltigt - seitdem ist eine 20 Jahre alte Frau kaum noch zu einem normalen Leben in der Lage. Der Täter habe mit seinem schrecklichen Verbrechen das Leben seiner Tochter ruiniert, machte der Vater der jungen Frau am Donnerstag im Geiselnehmerprozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth deutlich. Vor dem Gericht muss sich ein 49 Jahre alter Mann unter anderem wegen zweifacher Geiselnahme verantworten.

Die einst lebenslustige junge Frau traue sich kaum mehr unter Menschen, verlasse fast nur selten das Haus und habe sich von einer beruflichen Zukunft als Sozialarbeiterin oder Krankenpflegerin verabschieden müssen, berichtete der Vater des Opfers. Dank einer Therapie bessere sich allerdings ihr Zustand, sagte er. Dem Täter wünsche er, dass er für immer weggesperrt wird.

Auch die 20-Jährige selbst hatte am zweiten Prozesstag ihr rund zweistündiges Martyrium vom Herbst 2010 beschrieben; dabei hatte das Gericht neben der Öffentlichkeit auch den Angeklagten ausgeschlossen. Nach Angaben ihrer Anwältin Dagmar Beck stand die 20 Jahre alte Nürnbergerin ihren 15-minütigen Auftritt vor der Jugendkammer nur mit Mühe und Not durch. “Sie hat vorher und nachher gezittert wie Espenlaub“, berichtete die Anwältin.

Der 49 Jahre alte Angeklagte hatte bereits zum Prozessauftakt die Vorwürfe weitgehend gestanden. Er räumte ein, die Frau am 12. Oktober 2010 auf einem Nürnberger Pendlerparkplatz in seine Gewalt gebracht zu haben, mit ihr in einen Wald gefahren zu sein und sie dort zweimal vergewaltigt zu haben.

Vorher habe er sie erniedrigt und auf verschiedene Art und Weise sexuell missbraucht. Mit einem Gürtel schlug er in sadistischer Weise auf sie ein. Auch eine Geiselnahme sechs Tage später in Neumarkt in der Oberpfalz gab der Mann zu. Dort hatte er laut Anklage eine 22-jährige Frau in seine Gewalt gebracht und sie bei einer Irrfahrt quer durch Deutschland mehrfach sexuell missbraucht. Als Motiv nannte er seine Triebhaftigkeit und seine Lust, Frauen zu schlagen.

Schwere seelische Störungen attestierte auch die Psychotherapeutin dem 20 Jahre alten Opfer. Ihre Patientin leide noch immer unter Alpräumen; selbst tagsüber blitze das schreckliche Geschehen bei der jungen Frau immer wieder auf, berichtete sie der Kammer. Orte wie Parkplätze meide sie. “Wald- und Waldränder sind für sie absolut tabu. Auch Männer jeden Alters machen ihr Angst - vor allem, wenn sie hinter ihr laufen.“

“Bei Männern, die ihr entgegenkommen, wechselt sie die Straßenseite.“ Zudem leide sie unter einer “emotionalen Taubheit“: sie sei kaum noch in der Lage, Gefühle zu empfinden. Selbst von guten Freunden habe sich die junge Frau entfremdet, weil sie fürchte, von ihnen nicht verstanden zu werden. Sie sei zwar optimistisch, dass die 20-Jährige das erlittene Verbrechen irgendwann hinter sich lassen könne, sagte die Psychotherapeutin. “Es bleibt aber eine Wunde oder ein Schatten.“

lby

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