Versuchte Abtreibung mit Blutverdünner: Arzt muss in Knast

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Jens K.

Coburg - Er hat das Baby seiner Freundin mit einem Blutverdünner abtreiben wollen und nahm dabei auch den Tod der werdenden Mutter in Kauf:

Er wollte das Baby seiner Freundin mit einem Blutverdünner abtreiben und nahm dabei auch den Tod der werdenden Mutter in Kauf - dafür muss ein 41 Jahre alter Arzt nun zehn Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Coburg stufte die Tat strafrechtlich als versuchten Mord ein. Der aus dem thüringischen Schmalkalden stammende Mediziner muss seiner Ex-Freundin außerdem 20 000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Verteidiger des Arztes kündigte an, in Revision zu gehen. Im Prozess hatte er Freispruch gefordert.

Der Angeklagte nahm das Urteil teilnahmslos zur Kenntnis. Dagegen hatte die Frau des Arztes die Verhandlung von der Zuschauerbank aus immer wieder mit Zwischenrufen gestört. Sie warf der Ex-Freundin ihres Mannes vor, das Blutverdünnungsmittel selbst eingenommen zu haben. Die Behauptung, ihr Mann habe das Mittel heimlich in ihren Tee gemischt, sei “alles Lüge“. Das Gericht ermahnte daraufhin die Frau und drohte ihr mit einem Ordnungsgeld.

Der Angeklagte selbst bestritt die Vorwürfe. Sein Verteidiger erklärte, die bei der Ex-Freundin festgestellten inneren Blutungen könnten ganz unterschiedliche Gründe haben. So habe die Frau zeitweise Hormonpräparate genommen, die eine ähnliche Wirkung wie das Blutverdünnungspräparat Marcumar haben könne. Dass der Arzt das Mittel zur Abtreibung des ungeborenen Kindes verabreicht habe, sei unwahrscheinlich. Als Mediziner habe er wissen müssen, das damit nur bis zum dritten Schwangerschaftsmonat eine Abtreibung möglich sei.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte seit dem Jahr 2003 ein Verhältnis mit der gut zehn Jahre jüngeren OP-Schwester aus dem Landkreis Kronach. Nach drei Jahren berichtete ihm die Frau, dass sie ein Kind erwartet. Aus Angst, dass seine Ehefrau von dem Verhältnis erfährt, soll er ihr Geld für eine Abtreibung geboten haben.

Als diese das Angebot jedoch ablehnte, habe er der werdenden Mutter heimlich das Blutverdünnungsmittel verabreicht. Dadurch sollten Blutungen und eine Frühgeburt ausgelöst werden. Die Frau litt daraufhin unter Nasen- und Zahnfleischbluten und kam im Juni 2007 in ein Krankenhaus. Dort wurde ein gefährlich niedriger Blutgerinnungswert festgestellt. Trotz des Risikos, innere Blutungen oder gar eine Hirnblutung zu erleiden, brachte die Frau wenig später ohne weitere Komplikationen ein gesundes Kind zur Welt.

dpa

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