Wirt verprügelt: Neonazi kommt ins Gefängnis 

Regensburg - Vor einem Jahr randalierten Neonazis in einem Lokal und gingen auf den Barkeeper los. Einer von ihnen muss nun lange ins Gefängnis. Die anderen kamen frei - aus Mangel an Beweisen.

Nach dem Überfall auf einen Barkeeper in Regensburg muss ein 25 Jahre alter Neonazi hinter Gitter. Das Regensburger Landgericht verurteilte ihn am Mittwoch wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und Sachbeschädigung zu einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren.

 Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der junge Mann im Juni 2010 an einer brutalen Attacke auf den Wirt eines Regensburger Lokals beteiligt war. Mehrere Zeugen hätten beobachtet, wie er einen Barhocker durch die Kneipe schleuderte und den Wirt im Anschluss auch noch verfolgte.

Vor dem Lokal hatte es laut Anklage zuvor bereits Auseinandersetzungen wegen ausländerfeindlicher Äußerungen eines der Beschuldigten gegeben. An eine vorsätzliche Tat glaubte das Gericht allerdings nicht. Die Gruppe habe die Kneipe zufällig aufgesucht, es sei kein geplanter Denkzettel für den Wirt gewesen.

Im Strafmaß für den 25-Jährigen ist auch ein zweiter Fall von Körperverletzung berücksichtigt: Der Verurteilte hatte einen 16-Jährigen auf einem Volksfest in den Schwitzkasten genommen und ihm einen Maßkrug über den Kopf geschlagen. Seine drei Mitangeklagten wurden am Mittwoch im Fall der Attacke im Lokal freigesprochen. “Im Zweifel für die Angeklagten“, sagte der Richter und folgte damit der Argumentation der Verteidigung. Die Schuld könne nicht zweifelsfrei individuell nachgewiesen werden - dazu seien die Zeugenaussagen zu unterschiedlich. Es sei zwar erwiesen, dass die Gruppe da war.

Wer genau an dem Überfall beteiligt war, sei aber unklar. “Wer, wissen wir nicht“, sagte der Richter. Trotz Freispruchs in der Sache kommen nur zwei der Mitangeklagten auf freien Fuß. Der dritte muss wegen eines anderen Falls zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Der Prozess gegen einen weiteren Neonazi wurde abgetrennt - das Urteil sollte zu einem späteren Zeitpunkt gesprochen werden. Wenige Wochen nach dem Angriff hatten die Betreiber von 85 Kneipen in der Oberpfälzer Domstadt beschlossen, Rechtsradikale nicht mehr zu bedienen. Mittlerweile haben sich sogar 130 Gastronomen zu der Initiative zusammengeschlossen. An vielen Regensburger Kneipen kleben Sticker mit der Aufschrift “Rassisten werden hier nicht bedient“.

lby

Rubriklistenbild: © dpa

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