Radikalisierung junger Islamisten

Salafisten in Bayern: Internet als „Brandbeschleuniger“

München - Die Zahl der Salafisten in Bayern ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 130 auf 600 gestiegen. Das Internet beschleunigt laut Experten die Radikalisierung.

München - Die Zahl der Salafisten in Bayern ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 130 auf 600 gestiegen. Das sagte Dominik Irani vom Bayerischen Landeskriminalamt am Mittwoch bei einer Expertenanhörung im Innenausschuss des Landtages. Als Gründe für die Radikalisierung wurden etwa das Internet und eine Perspektivlosigkeit junger Menschen in Deutschland genannt. 

Manche Frauen träumten davon, einen Dschihadisten zu heiraten

Zuletzt sei auch der Anteil radikalisierter Frauen gestiegen, sagte Marwan Abou Taam vom Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung in Berlin. „Auch die Bundesrepublik muss lernen, dass Frauen ideologisch denken.“ Andere Frauen begleiteten schlicht ihre Ehemänner oder träumten davon, einen Dschihadisten zu heiraten. Von den 700 bis 800 Menschen, die aus Deutschland für den „Islamischen Staat“ (IS) nach Syrien gegangen sind, seien rund 20 Prozent Frauen, sagte Abou Taam.

Bei Männern spielten abgesehen von ideologischen Motiven die Lust auf Abenteuer sowie das Interesse am Krieg eine Rolle. Sie hätten oft über Umwege zum Islam gefunden. Claudia Dantschke von Hayat, einer Beratungsstelle in Berlin, sprach von „Ramadan-Muslimen oder Weihnachts-Christen“, die sich radikalisierten.

Die Gefahr, dass mit den Flüchtlingen, die derzeit in Deutschland Asyl suchen, auch IS-Terroristen kommen, sieht der Direktor des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, Mathias Rohe, nicht. Man müsse nicht damit rechnen, dass Terroristen den beschwerlichen Weg über die Balkan-Route auf sich nehmen. Anke Mönter vom Beratungsprogramm „Wegweiser“ in Nordrhein-Westfalen wies darauf hin, dass Salafisten in NRW gleichwohl versuchten, Asylsuchende für ihre Zwecke anzuwerben. „Die gehen bis vor die Flüchtlingsheime.“

„Sie sprechen über den Islam, aber haben im Grunde keine Ahnung von dieser Religion.“

Besonders empfänglich für die vermeintlich einfachen Lösungen des Salafismus seien Jugendliche mit psychischen, ökonomischen oder sozialen Problemen, sagte Ali Oumghar vom Verfassungsschutz in Bayern. Laut Dantschke gibt es in Deutschland keine Familie mehr, die nicht potenziell betroffen sein könnte. Das Internet wirke dabei als „Brandbeschleuniger“, sagte Oumghar. Dort würden Kontakte geknüpft und Ansichten unhinterfragt übernommen. „Sie sprechen über den Islam, aber haben im Grunde keine Ahnung von dieser Religion.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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